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Home: Der Film vermittelt uns wieviel an Zeit wir noch haben die Erde vor dem Kollaps zu schützen und welche Dinge wir alle gemeinsam ändern müssten, damit dieser wundervolle Planet auch noch in vielen hundert Jahren Lebensquelle für die kommenden Generationen sein kann.

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HOME ist ein freier Dokumentarfilm des französischen Fotografen und Journalisten Yann Arthus-Bertrand. Nach Angaben des Filmemachers Arthus-Bertrand (geistiger Eigentümer) darf HOME von Jedermann auch ohne Genehmigung der Rechteinhaber verbreitet und öffentlich vorgeführt werden.

Der Film vermittelt uns wieviel an Zeit wir noch haben die Erde vor dem Kollaps zu schützen und welche Dinge wir alle gemeinsam ändern müssten, damit dieser wundervolle Planet auch noch in vielen hundert Jahren Lebensquelle für die kommenden Generationen sein kann.

Offizielle Details zum Film und den Verwertungsrechten unter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Home_%28Dokumentarfilm%29
http://www.youtube.com/user/homeprojectDE

(Dieser Upload ergänzt die fehlende Deutsche Sprachversion des Films auf Youtube in voller Länge und darf zusammenhängend auf Youtube vorgeführt und weiterverteilt werden)

Neuer KlimareportUno-Prognose verblüfft mit Meeresspiegel-Sprung – Die Uno bekräftigt darin ihre Warnung vor einer deutlichen Erwärmung, die zu großen Teilen menschengemacht ist!

Neuer KlimareportUno-Prognose verblüfft mit Meeresspiegel-Sprung

Von Axel Bojanowski

Nordspitze der Insel Sylt: Gefahr aus GrönlandZur Großansicht

picture-alliance/ dpa

Nordspitze der Insel Sylt: Gefahr aus Grönland

Der nächste Weltklimabericht ist schon vor der offiziellen Veröffentlichung bekannt geworden: Die Uno bekräftigt darin ihre Warnung vor einer deutlichen Erwärmung. Doch der Report enthält auch eine erstaunliche Vorhersage.

Hamburg – Es ist wieder passiert, der Geist ist aus der Flasche. Vor der Veröffentlichung ihres Klimaberichts muss das Klimasekretariat der Vereinten Nationen (IPCC) jedesmal mitansehen, wie der vertrauliche Report im Internet präsentiert wird. Dann stürzen sich traditionell Lobbyisten auf die brisanten Dokumente – und interpretieren sie nach ihrem Geschmack. Auf diese Weise erhält der Weltklimabericht, an dem Tausende Forscher jahrelang arbeiten, seine erste Deutung – allerdings nicht wie beabsichtigt von Experten, sondern von Außenstehenden.

Diesmal veröffentlichte ein Blogger den Bericht, der als sogenannter Klimaskeptiker die Interpretationen des IPCC anzweifelt. Er trickste sich mit einem Vertrauensbruch an die Dokumente: Der Blogger nutzte die Offenheit des Prüfungsverfahrens des IPCC-Berichts aus und ließ sich als Gutachter eintragen; jeder Bürger kann auf Anfrage diese Funktion einnehmen. 

Die Transparenz soll sicherstellen, dass alle Einwände gegen den Inhalt des Reports berücksichtigt werden können. 31.422 Kommentare liegen dem IPCC derzeit für den Entwurf des nächsten Berichts vor, der im September offiziell veröffentlicht werden soll. Sie müssen nun von Forschern neben ihrer normalen Arbeit geprüft und beantwortet werden – ein beträchtlicher Aufwand. Trotz berechtigterKritik am IPCC und mancher Fehler im Report: Wohl keine andere Wissenschaft verfügt über eine dermaßen sorgfältige Sammlung ihrer Kenntnisse.

Kampf um die Deutung

Erste Entwürfe des neuen IPCC-Berichts erreichten Journalisten bereits vor Monaten. Das Besondere an dem neuen Leck ist, dass diesmal auch die Zusammenfassung für Politiker so früh bekannt wurde. Das übrige rund 1000-seitige Werk fasst lediglich zusammen, was an Studien bekannt ist. Das knapp 30-seitige Kondensat des Reports hingegen begründet die Deutungsmacht des Uno-Klimarats: Für die Zusammenfassung wird ausgewählt, welche Daten maßgeblich sind, welche Interpretationen am wahrscheinlichsten erscheinen.

Seinen Schliff erhält die Zusammenfassung für Politiker kurz vor Veröffentlichung des Reports, wenn Delegierte der Staaten mit ihren Anwälten das Papier beraten. Dabei geraten wissenschaftliche Fakten in den Mahlstrom politischer Interessen, weshalb die Zusammenfassung den fraglichen Teil des IPCC-Reports darstellt.

 

Umso interessanter also, dass nun eine vorläufige Version des Resümees öffentlich wurde, das ausschließlich von Wissenschaftlern verfasst wurde. Zwar werden die Forscher in den kommenden Monaten noch Änderungen daran vornehmen. Doch wesentliche Teile dürften erhalten bleiben. 

Die wichtigsten Messungen und Prognosen zum Klima lauten:

 

  • Temperatur: Ende des Jahrhunderts wird es in Bodennähe mit großer Wahrscheinlichkeit 0,2 bis 4,8 Grad wärmer sein als heute – je nachdem, wie viel Treibhausgase mit Autos, Fabriken, Kraftwerken und Heizungen in die Luft gelangen. Derzeit enthalte die Luft so viel Kohlendioxid (CO2) wie zuletzt vor mindestens 800.000 Jahren.
  • Einfluss des Menschen: „Fast sicher“ ist nach Einschätzung der Forscher, dass der Mensch bereits wesentlich zu Klimaveränderungen beigetragen hat. Mehr als die Hälfte des Temperaturanstiegs seit Mitte des 20. Jahrhunderts sei von industriellen Treibhausgasen verursacht worden.
  • Meeresspiegel: Die Ozeane steigen seit 1993 pro Jahr um 2,7 bis 3,7 Millimeter an – und damit um etwa einen Millimeter schneller als in den Jahrzehnten zuvor. Die Ozeane werden den Wissenschaftlern zufolge bis Ende des Jahrhunderts um mindestens 29 Zentimeter schwellen. Sollte die Treibhausmenge ungebremst steigen, drohen 82 Zentimeter höhere Pegel. Damit erhöht der IPCC seine Extremprognose gegenüber seinem letzten Report von vor fünf Jahren deutlich – um 23 Zentimeter. Diesmal wurde für die schlimmsten Szenarien ein beschleunigtes Abtauen der Gletscher in Grönland und der West-Antarktis einbezogen. Vor solchen Prognosen war der IPCC im letzten Report 2007 aufgrund der unsicheren Datenlage zurückgeschreckt. Seither gibt es heftige Debatten um die Schnelligkeit des Meeresspiegelanstiegs.
  • Gletscher: Grund zum Pessimismus geben Daten über das Abschmelzen der großen Eisschilde: Grönland verliere in den vergangenen Jahren verstärkt Eis; mittlerweile hebe das Schmelzwasser die Ozeane um 0,28 bis 0,79 Millimeter pro Jahr. Die Antarktis steuere 0,01 bis 0,3 Millimeter pro Jahr zum Pegelanstieg bei. Allerdings, betont der IPCC, gebe es erhebliche Unsicherheiten bei den Gletscher-Daten; nur ein Bruchteil der Eisströme wurde kontinuierlich über längere Zeit vermessen.
  • Meereis: Die Eisschollen der Arktis haben sich extrem verkleinert: Im Sommerhalbiert sich seine Fläche des nordischen Meereises mittlerweile, selbst das Wintereis ist nur noch halb so dick. In der Antarktis hingegen hat sich die Fläche des Meereises ein wenig vergrößert.
  • Zum Extremwetter hatte der IPCC erst kürzlich das gesammelte Wissen veröffentlicht. Hitzewellen und Sturzregen werden demnach vermutlich häufiger, Frostperioden seltener. Sturmfluten laufen höher auf.

 

Wissenschaftler dürfen den neuen Uno-Bericht bis zur Publikation nicht kommentieren. „Solange die Arbeit nicht beendet ist, können wir nichts dazu sagen“, schreibt der IPCC in einer Stellungnahme. Das Gremium und die Forscher müssen die Deutung der Daten also abermals anderen überlassen. Man sei, heißt es beim IPCC, von der Vorveröffentlichung überrascht worden – wieder einmal.

Forderungen nach einer neuen Vorgehensweise erhalten Auftrieb: Forscher fordern, den IPCC-Report von Anfang an für jeden einsehbar im Internet zu verfassen, inklusive aller Anmerkungen und Korrekturen. Damit ginge dem Klimabericht der Anschein des Geheimen verloren; der IPCC bräuchte kein Leck in seinem System mehr zu fürchten.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/ipcc-report-uno-sagt-staerkeren-meeresspiegel-anstieg-voraus-a-873029.html

Weltweit höchste Anzahl von Kriegen seit 1945 – Unter den insgesamt 388 beobachteten Konflikten zählen die Politikwissenschaftler 38 hochgewaltsame Konflikte, also Auseinandersetzungen, die sich durch massiven Einsatz organisierter Gewalt auszeichnen und gravierende Folgen nach sich ziehen. Zwanzig dieser Konflikte erreichen die höchste Intensitätsstufe und lassen sich somit als Kriege bezeichnen. Damit zählen die Konfliktforscher die weltweit höchste Anzahl von Kriegen seit 1945.

Weltweit höchste Anzahl von Kriegen seit 1945

23. Februar 2012

Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung veröffentlicht Konfliktbarometer 2011

Konfliktbarometer 2011 460x175Grafik: Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung

Die Konfliktforscher zählen die weltweit höchste Anzahl von Kriegen seit 1945.

Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK), ein gemeinnütziger Verein, der am Institut für Politische Wissenschaft der Ruperto Carola angesiedelt ist, hat mit dem „Conflict Barometer 2011“ seine Daten und Analysen zum weltweiten Konfliktgeschehen des vergangenen Jahres veröffentlicht. Unter den insgesamt 388 beobachteten Konflikten zählen die Politikwissenschaftler 38 hochgewaltsame Konflikte, also Auseinandersetzungen, die sich durch massiven Einsatz organisierter Gewalt auszeichnen und gravierende Folgen nach sich ziehen. Zwanzig dieser Konflikte erreichen die höchste Intensitätsstufe und lassen sich somit als Kriege bezeichnen. Damit zählen die Konfliktforscher die weltweit höchste Anzahl von Kriegen seit 1945.

Sechs dieser Kriege wurden bereits im Vorjahr als Krieg eingestuft, darunter die Kriege des pakistanischen Militärs und der afghanischen Regierung gegen die Taliban sowie gewaltsame Konflikte in Somalia und in der sudanesischen Region Darfur. Neue Konflikte, die sich gleich im ersten Jahr ihres Auftretens zu Kriegen ausgeweitet haben, sind die im Zuge des „Arabischen Frühlings“ eskalierten Proteste in Jemen, Libyen und Syrien. Weitere elf Kriege, vor allem in afrikanischen Ländern, wurden in den Jahren zuvor noch auf einer geringeren Intensitätsstufe ausgetragen.

Mit jeweils acht Kriegen sind der Vordere und Mittlere Orient sowie Afrika südlich der Sahara am stärksten von dieser besonders gewaltsamen Form die Konfliktaustragung betroffen. „Eine Tendenz hin zu einer friedlicheren Welt kann vor dem Hintergrund des starken Anstiegs der Anzahl von Kriegen im Vergleich zum Vorjahr nicht erkannt werden,“ betont Natalie Hoffmann, Mitglied des HIIK-Vorstandes. Die Politikwissenschaftlerin sieht in den andauernden Oppositionsproteste im Vorderen und Mittleren Orient sowie in den Wahlen, die 2012 in zahlreichen afrikanischen Ländern bevorstehen, zudem die Gefahr weiterer Eskalationen.

Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung widmet sich seit 1991 der Erforschung, Dokumentation und Auswertung innerstaatlicher und internationaler politischer Konflikte weltweit. Das jährlich erscheinende „Conflict Barometer“ gibt einen Überblick über die aktuelle Entwicklung gewaltsamer und nichtgewaltsamer Konflikte. Die aktuelle Publikation kann auf der Homepage des HIIK kostenlos heruntergeladen werden

Das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK) ist als unabhängiger und interdisziplinärer Verein am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Heidelberg angesiedelt.

Seit 1991 widmet sich das HIIK der Förderung und Verbreitung des Wissens um Entstehung, Verlauf und Beilegung inner- und zwischenstaatlicher politischer Konflikte.

In dem jährlich erscheinenden Konfliktbarometer werden die jeweils aktuellen Forschungsergebnisse veröffentlicht. Zudem aktualisiert und pflegt das HIIK fortlaufend die Datenbank CONIS.

http://www.hiik.de/

Konfliktbarometer

 

Das seit 1992 erscheinende Konfliktbarometer ist unsere jährliche Analyse des globalen Konfliktgeschehens und die zentrale Publikation des HIIK. Gewaltlose und gewaltsame Krisen, Kriege, Staatsstreiche sowie Friedensverhandlungen stehen im Mittelpunkt der Untersuchung. In der Zusammenfassung des Verlaufs der weltweiten Konflikte präsentiert das HIIK anschaulich die Entwicklungen im vergangenen Jahr, die grafisch und in Form von Texten erläutert werden. Das Global Conflict Panorama beschreibt hierbei die generelle Entwicklung, die einzelnen Regionalteile geben sodann in Form von deskriptiven Texten einen Einblick in das Konfliktgeschehen in Asien, Europa, den Amerikas sowie im subsaharischen Afrika und im Vorderen und Mittleren Orient und Maghreb.

Das Konfliktbarometer hat dabei mit jedem Jahr eine steigende Leserschaft und ein zunehmendes wissenschaftliches Renommee erfahren. Dabei ist das Institut seit seiner Entstehung aus einem Forschungsprojekt in den frühen neunziger Jahren beständig gewachsen: Mit nicht mehr als zwanzig Mitarbeitern gestartet, ist das Konfliktbarometer heute Ergebnis der Arbeit von über 120 jungen Konfliktforschern , die sich zumeist neben ihrem Studium engagieren. Die wissenschaftliche Expertise des HIIK wird dabei auch durch seine enge institutionelle und personelle Anbindung an das Institut für Politische Wissenschaft der Universität Heidelberg sichergestellt.

Unsere Arbeit sowie unsere Publikationen basieren ausschließlich auf ehrenamtlicher Arbeit und werden aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanziert . Wenn Sie mit unserem Konfliktbarometer zufrieden sind, freuen wir uns, wenn Sie unsere Arbeit unterstützen würden. Jeder einzelne Euro hilft uns sehr. Herzlichen Dank!

 

Conflict Barometer 2011

  • Printversion: Das „Conflict Barometer 2011“ wird ab Mitte März 2012 in gedruckter Form vorliegen. Ältere Versionen und Zusatzmaterialien können Sie hier bestellen.
  • Unterstützerversion: Neben der jeweils aktuellen Printversion erhalten Sie bei der Unterstützerversion eine Weltkarte der gewaltsamen Konflikte. Mit den Mehrkosten unterstützen Sie die Erstellung des Konfliktbarometers für das kommende Jahr. Sie können es ebenso hier bestellen.
  • Digitale Version: Zudem steht die alle bisherigen Versionen kostenfrei digital zur Verfügung (s. Archiv). Das „Conflict Barometer 2011“ können Sie hier als PDF herunterladen.

 

Interaktives Konfliktbarometer 2009

Konfliktbarometer CoverBasierend auf dem SMILE-Projekt stellen wir eine interaktive Version des Konfliktbarometers mit einer dynamischen Konfliktkarte, Zeitstrahl und den jeweiligen Konfliktdaten (inkl. Artikel) des aktuellen Konfliktbarometers zur Verfügung. Es ermöglicht neben einer Visialisierung der Barometer-Daten die Anwendung verschiedener Filterkriterien.

Mit Dank an Ryan Lee (MIT) und Lars Scheithauer (mindcluster) für die großzügige Unterstützung.

 

 

 

http://www.stratfor.com/free-reports

 

 

Aktuelle Kriege und bewaffnete Konflikte (2011), Analysen über Hintergründe von Kriegen – aus der Arbeit vonArbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) Forschungstelle Kriege, Rüstung und Entwicklung (FKRE)

Aktuelle Kriege und bewaffnete Konflikte (2011)

Lateinamerika | Afrika | Vorderer und Mittlerer Orient | Asien

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Das Kriegsgeschehen 2011 im Überblick

Trends
Liste der Kriege und bewaffneten Konflikte
Kriegsdefinition Kriegstypologie

Allgemeine Trends

Erstmals seit sechs Jahren wurden 2011 wieder mehr Kriege und bewaffnete Konflikte geführt als im Jahr zuvor. Die Zahl erhöhte sich um drei auf nunmehr 36. Als beendet sind insgesamt drei kriegerische Konflikte zu betrachten. Umgekehrt eskalierten 2011 sechs Kriege und bewaffnete Konflikte neu. Die von organisierten Kämpfen zahlenmäßig am stärksten betroffenen Weltregionen waren 2011 Afrika mit 13, gefolgt von Asien und dem Vorderen und Mittleren Orient mit jeweils 11 kriegerischen Konflikten. In Lateinamerika war ein Krieg verzeichnen.

Veränderungen gegenüber dem Vorjahr

Beendete Kriege und bewaffnete Konflikte
Im Jemen sclossen Mitte Februar 2010 schlossen die Regierung und die sogenannten Huthi-Rebellen einen Waffenstillstand. In den 2004 begonnenen Krieg mit den schiitischen Rebellen im Nordosten des Landes hatte in den letzten Kriegsmonaten auch Saudi-Arabien massiv eingegriffen, sodass den Aufständischen keine andere Wahl mehr blieb als die Bedingungen der Regierung für einen Waffenstillstand zu akzeptieren.
Für die Regierung des Tschad zahlte sich eine Vereinbarung mit dem Sudan aus, mit der beide Seiten darauf verzichteten, Rebellengruppen im jeweils andern Land zu unterstützen. Im Laufe des Jahres 2010 ließen Rebellenaktivitäten im Tschad deutlich nach und für 2011 lagen keine entsprechenden Berichte mehr vor. Dies war für den Tschad damit das erste Jahr seit 1966 ohne kriegerische Auseinandersetzungen.
In Peru erreichte die kurzzeitige Neueskalation zwischen Sicherheitskräften und dem Leuchtenden Pfad in den Jahren 2009 und 2010 nie die Intensität der 1980er und 1990er Jahre. Aufgrund ausbleibender Kämpfe scheint der bewaffnete Konflikt nach zwei Jahren wieder beendet zu sein.

Neu eskalierte Kriege und bewaffnete Konflikte
Von den neuen Kriegen des Jahres 2011 erhielt der in Libyen nicht nur die größte Aufmerksamkeit, sondern forderte auch die meisten Todesopfer. In den im Februar eskalierten Konflikt zwischen Aufständischen und der Regierung fanden ab Mitte März nach einer UN-Resolution NATO-geführte Luftangriffe statt. Mit der Tötung Muammar al-Ghaddafis am 20. Oktober endete der Krieg nach etwa acht Monaten.
In Côte d’Ivoire hatte Amtsinhaber Laurent Gbagbo Ende November 2010 die Präsidentschaftswahl verloren, sich jedoch geweigert abzutreten. In den folgenden Monaten starben über 200 Anhänger des Wahlsiegers Alassane Ouattara durch die Gewalt von Polizei und Militär. Ende Februar wurde auch der seit sechs Jahren bestehende Waffenstillstand zwischen den beiden Konfliktparteien gebrochen. Mitte April wurde Gbagbo schließlich gefangen genommen und der Krieg wenige Tage später beendet.
Dagegen dauert der dritte neue Krieg des Jahres 2011 weiterhin an. Einige Wochen vor der offiziellen Unabhängigkeit des Südsudan am 9. Juli eskalierten Auseinandersetzungen zwischen Sudan und Kämpfern der ehemaligen südsudanesischen Rebellenbewegung SPLA. Diese dauerten in den an Südsudan grenzenden Provinzen Südkordofan und Blauer Nil seitdem an.
Im Jemen wurden Proteste wie in vielen anderen arabischen Ländern zunächst mit Gewalt durch Polizei und Militär unterdrückt. Im Mai und noch einige weitere Male im Laufe des Jahres griffen jedoch Kämpfer verschiedener Stämme gegen die Regierung in den Konflikt ein, sodass sich daraus ein bewaffneter Konflikt entwickelte.
Kämpfe zwischen Truppen Thailands und Kambodschas fanden Anfang Februar und erneut Ende April in einem strittigen Grenzgebiet statt.
In Burundi kam es wiederholt zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen nicht eindeutig identifizierbaren Gruppen und staatlichen Sicherheitskräften.

Regionale Verteilung

Die von organisierten Kämpfen zahlenmäßig am stärksten betroffene Weltregion war auch 2011 Afrika mit 13 kriegerischen Konflikten. Es folgen der Asie3n sowie der Vordere und Mittlere Orient (VMO) mit jeweils 11 Kriegen und bewaffneten Konflikten. In Lateinamerika war ein Krieg.


Liste der Kriege und bewaffneten Konflikte 2011

Beginn Einstufung 2011*
Afrika
Äthiopien (Ogaden)
Burundi
Côte d’Ivoire
Kongo-Kinshasa (Ostkongo)
Nigeria (Boko Haram)
Nigeria (Nigerdelta)
Senegal (Casamance)
Somalia
Sudan (Darfur)
Sudan (Südkordofan und Blauer Nil)
Südsudan
Uganda
Zentralafrikanische Republik
2006
2011
2011
2005
2011
2003
1990
1988
2003′
2011
2010
2009
2006
Krieg
Bewaffneter Konflikt
Krieg
Krieg
Krieg
Bewaffneter Konflikt
Bewaffneter Konflikt
Krieg
Krieg
Krieg
Bewaffneter Konflikt
Krieg
Krieg
Asien
Indien (Assam)
Indien (Kaschmir)
Indien (Manipur)
Indien (Naxaliten)
Indien (Tripura)
Myanmar
Pakistan (Belutschistan)
Pakistan (Taliban)
Philippinen (Mindanao)
Philippinen (NPA)
Thailand (Südthailand
Thailand / Kambodscha
1990
1990
2005
1997
1999
2003
2005
2007
1970
1970
2004
2011
Bewaffneter Konflikt
Krieg
Bewaffneter Konflikt
Krieg
Bewaffneter Konflikt
Krieg
Bewaffneter Konflikt
Krieg
Krieg
Krieg
Krieg
Bewaffneter Konflikt
Vorderer und Mittlerer Orient
Afghanistan
Algerien
Irak
Iran (Kurdistan)
Israel (Palästina)
Jemen (Al-Qaida)
Jemen (Stammeskrieger)
Libyen
Russland (Tschetschenien)
Tadschikistan
Türkei (Kurdistan)
1978
1992
1998
2007
2000
2010
2011
2011
1999
2010
2004
Krieg
Krieg
Krieg
Bewaffneter Konflikt
Krieg
Krieg
Bewaffneter Konflikt
Krieg
Krieg
Bewaffneter Konflikt
Krieg
Lateinamerika
Kolumbien (FARC) 1965 Krieg

* Zur Definition von Krieg bzw. Bewaffneter Konflikt siehe Kriegsdefinition


Kriegsdefinition

In Anlehnung an den ungarischen Friedensforscher István Kende (1917-1988) definiert die AKUF Krieg als einen gewaltsamen Massenkonflikt, der alle folgenden Merkmale aufweist:
(a) an den Kämpfen sind zwei oder mehr bewaffnete Streitkräfte beteiligt, bei denen es sich mindestens auf einer Seite um reguläre Streitkräfte (Militär, paramilitärische Verbände, Polizeieinheiten) der Regierung handelt;
(b) auf beiden Seiten muß ein Mindestmaß an zentralgelenkter Organisation der Kriegführenden und des Kampfes gegeben sein, selbst wenn dies nicht mehr bedeutet als organisierte bewaffnete Verteidigung oder planmäßige Überfälle (Guerillaoperationen, Partisanenkrieg usw.);
(c) die bewaffneten Operationen ereignen sich mit einer gewissen Kontinuierlichkeit und nicht nur als gelegentliche, spontane Zusammenstöße, d.h. beide Seiten operieren nach einer planmäßigen Strategie, gleichgültig ob die Kämpfe auf dem Gebiet einer oder mehrerer Gesellschaften stattfinden und wie lange sie dauern.
Kriege werden als beendet angesehen, wenn die Kampfhandlungen dauerhaft, d.h. für den Zeitraum von mindestens einem Jahr, eingestellt bzw. nur unterhalb der AKUF-Kriegsdefinition fortgesetzt werden.

Als bewaffnete Konflikte werden gewaltsame Auseinandersetzungen bezeichnet, bei denen die Kriterien der Kriegsdefinition nicht in vollem Umfang erfüllt sind. In der Regel handelt es sich dabei um Fälle, in denen eine hinreichende Kontinuität der Kampfhandlungen nicht mehr oder auch noch nicht gegeben ist. Bewaffnete Konflikte werden von der AKUF erst seit 1993 erfaßt.


Kriegstypologie

Die AKUF unterscheidet zwischen fünf Kriegstypen:

  • A = Antiregime-Kriege: Kriege, in denen um den Sturz der Regierenden oder um die Veränderung oder den Erhalt des politischen Systems oder gar der Gesellschaftsordnung gekämpft wird.
  • B = Autonomie- und Sezessionskriege: Kriege, in denen um größere regionale Autonomie innerhalb des Staatsverbandes oder um Sezession vom Staatsverband gekämpft wird.
  • C = Zwischenstaatliche Kriege: Kriege, in denen sich Streitkräfte der etablierten Regierungen mindestens zweier staatlich verfaßter Territorien gegenüberstehen, und zwar ohne Rücksicht auf ihren völkerrechtlichen Status.
  • D = Dekolonisationskriege: Kriege, in denen um die Befreiung von Kolonialherrschaft gekämpft wird.
  • E = Sonstige Kriege.

Zahlreiche Kriege lassen sich nicht eindeutig einem dieser Typen zuordnen, weil sich verschiedene Typen überlagern oder sich der Charakter des Krieges im Verlauf der Kampfhandlungen verändert, so daß sich Mischtypen bilden.

Ein weiteres Kriterium für die Typologisierung von Kriegen ist die Fremdbeteiligung. Als Intervention oder Fremdbeteiligung berücksichtigt die AKUF nur diejenigen Fälle, in denen die Streitkräfte eines weiteren Staates unmittelbar an den Kämpfen teilnimmt. Bloße Waffenlieferungen, finanzielle oder logistische Unterstützung und dergleichen werden nicht als Intervention gewertet.

1 = Krieg mit unmittelbarer Fremdbeteiligung

2 = Krieg ohne unmittelbare Fremdbeteiligung

http://www.sozialwiss.uni-hamburg.de/publish/Ipw/Akuf/kriege_aktuell.htm#Liste

Entwicklungstrends seit 1945

Die Hamburger Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) zählt 238 Kriege in der Zeit von 1945 bis 2007. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und bis Ende 1992 ist eine fast stetige Zunahme der weltweiten Kriegsbelastung von etwa einem laufenden Krieg pro Jahr zu beobachten. Bestimmte historische Ereignisse oder Perioden wie zum Beispiel der Ost-West-Konflikt und die Dekolonisation übten nicht den ihnen oft unterstellten Einfluss auf diesen Trend aus. Anscheinend wirken sich hier längerfristige und tiefergehende Prozesse aus.

Kriegsschauplätze / Akteure

Bei einer näheren Betrachtung der Kriege fällt zunächst auf, dass die Zentren der bürgerlich-kapitalistischen Welt weitgehend frei von Kriegen sind. Über 90 Prozent der Kriege nach 1945 fanden in Regionen der Dritten und ehemaligen Zweiten Welt statt, kriegerische Auseinandersetzungen verlagerten sich also fast vollständig in die Peripherien.

Von den 238 Kriegen fanden statt: in Asien 68, in Afrika südlich der Sahara 64, im Vorderen und Mittleren Orient 60, in Süd- und Mittelamerika 30 und in Europa 16. In Nordamerika fand überhaupt kein Krieg statt.

Allerdings steht der Befriedung innerhalb der industriegesellschaftlichen Welt nach 1945 ein relativ hohes Maß an kriegerischem Eingreifen einiger Industriestaaten in der Dritten Welt gegenüber. Bei der Häufigkeit der Kriegsbeteiligungen liegen Großbritannien (22 Beteiligungen), die USA (16) und Frankreich (14) (neben Indien (19), Irak (11) und Jemen (11)) in der Spitzengruppe. Die nähere Betrachtung zeigt jedoch, dass hierbei spezifische historische Umstände wie die Stellung als (ehemalige) Kolonialmächte oder der Versuch der USA, ihren Hegemonieanspruch militärisch durchzusetzen, eine Rolle spielten.

Zu Anfang der 1990er Jahre deuteten Interventionen der UNO bzw. im Auftrag oder zumindest mit ausdrücklicher Billigung des UN-Sicherheitsrates „weltpolizeiliche“ Lösungen an. Diese Tendenz ist jedoch nicht sicher. Überdies haben sich die wenigen UN-gestützten Interventionen als nicht sonderlich erfolgreich erwiesen, insbesondere wenn man eine politische Lösung als Maßstab anlegt. Die Bilanz der Interventionen von Einzelstaaten oder Staatengruppen ohne UN-Autorisierung sieht nicht besser aus. Auch diese scheiterten überwiegend entweder bereits militärisch, oder es konnte keine politische Lösung erzielt werden. Insgesamt ist zu beobachten, dass die Beteiligung Dritter an innerstaatlichen Kriegen seit den 1980er Jahren merklich zurückging. Dies lässt sich wohl auf die Erfahrung zurückführen, dass parteiisches Mitkämpfen in Kriegen anderer sich nicht „auszahlt“.

Innerstaatliche Kriege

Zwei Drittel aller Kriege seit 1945 sind innerstaatliche Kriege gewesen und nur ein knappes Viertel internationale Kriege, einschließlich der Dekolonisationskriege. Das fast stetige Wachstum der jährlichen Kriegsbelastung nach dem Zweiten Weltkrieg resultiert eindeutig aus der Zunahme der innerstaatlichen Kriege. Dass das Kriegsgeschehen nach dem Zweiten Weltkrieg von diesen dominiert wird, stellt eine qualitative historische Veränderung gegenüber früheren Perioden dar.

Bei den Kriegstypen sticht der hohe Anteil der „Antiregimekriege“ hervor. Dieses sind Kriege, in denen um den Sturz der Regierenden oder um die Veränderung oder den Erhalt des politischen Systems oder gar der Gesellschaftsordnung gekämpft wird. Diese machen fast die Hälfte aller innerstaatlichen Kriege aus, so dass der Kampf um Gesellschaftsform und Macht im Staate das Kriegsgeschehen seit 1945 am stärksten bestimmte. Vielen Machthabern in Ländern der Dritten Welt fehlt die Legitimität. Prinzipien, Regeln und institutionelle Formen, nach denen Systemwandel und Machtzuteilung bzw. Machtwechsel gewaltlos erfolgen kann, sind nicht vorhanden. Der gesellschaftliche Grundkonsens fehlt.

Auch die zweite große Gruppe der innerstaatlichen Kriege, in denen eine der beiden Kriegsparteien um größere oder völlige Unabhängigkeit von der Zentralregierung kämpft, ist ein Hinweis auf eine nur mangelhaft erfolgte gesellschaftliche Integration.

Ein erheblicher Teil der innerstaatlichen Kriege resultiert aus noch nicht erfolgter oder gescheiterter gesellschaftlicher Integration in einem häufig nur formal vorhandenen Staat. Dieses Scheitern wiederum ist Folge wirtschaftlicher Strukturschwächen, krasser Ungleichheiten in der Einkommensverteilung und der willkürlichen politischen Privilegierung bestimmter Gruppen.

Kriegsbeendigungen

Bei der Untersuchung, wie und mit welchen Ergebnissen Kriege enden, stellt sich heraus, dass nur ein knappes Fünftel aller Kriege durch einen militärischen Sieg der angreifenden Seite entschieden wurde. Wesentlich öfter – bei einem knappen Drittel der Kriege – behauptet sich die militärisch angegriffene Seite. In einem Zehntel der Fälle endeten Kriege einfach durch einen Abbruch der Kämpfe, und nur geringfügig häufiger stand am Ende eine Vereinbarung, sei es durch einen Waffenstillstand oder durch einen Kompromiss.

Mit etwa einem Drittel ist der Anteil der Kriegsbeendigung durch Vermittlung von dritter Seite überraschend hoch. Die Vermittlung durch Dritte ist offenbar zur Institution der Weltgesellschaft geworden. Auch wenn keine Daten zur Anzahl gescheiterter Vermittlungsbemühungen vorliegen, lässt sich feststellen, dass Vermittlungen weit häufiger zur Kriegsbeendigung beitragen als es gemeinhin den Anschein hat. In den erfolgreichen Fällen agierten in beachtlichen 40 Prozent die Vereinten Nationen als Vermittler. Auch wenn dies nur 12 Prozent der Gesamtzahl der beendeten Kriege sind, so ist die UNO offensichtlich besser als ihr Ruf.

Bemerkenswert ist auch, dass über zwei Drittel der zwischenstaatlichen Kriege im politischen Ergebnis unentschieden endeten bzw. der Status quo ante erhalten blieb oder wiederhergestellt wurde. Bei keinem Typ der innerstaatlichen Kriege hat die angreifende Seite eine deutliche Erfolgschance.

Quantitative Entwicklung des Kriegsgeschehens

Die 1990er Jahre waren zu Beginn durch einen starken Anstieg der Zahl der Kriege gekennzeichnet. Hier haben vor allem die Kriege im Gefolge der Auflösung der Sowjetunion und Jugoslawiens ihren Niederschlag gefunden. Seit 1992 lässt sich aber eine stark gegenläufige Tendenz feststellen. So sank die Zahl der Kriege von 55 im Jahr 1992, dem höchsten Stand seit Ende des Zweiten Weltkriegs überhaupt, bis 1997 auf etwa die Hälfte. Seither bewegte sich die Zahl der jährlich geführten Kriege um die 30. Die Erklärungen für dieses Phänomen sind derzeit noch unzureichend. Zwar gab es auch in früheren Perioden kurzfristige Rückgänge, allerdings bislang keine, die so ausgeprägt waren wie in den letzten Jahren.

Die Zahl der pro Jahr neu begonnenen Kriege weist keine Besonderheiten gegenüber der Zeit vor 1992 auf. Auffallend ist dagegen das Aufeinanderfolgen von mehreren Jahren mit hohen Zahlen von beendeten Kriegen. Die betreffenden Kriege lassen allerdings, was die Art ihrer Beendigung angeht, keine einheitliche Erklärung zu. Weder Vermittlungen Dritter noch militärische Erfolge oder ein Abbruch der Kämpfe stechen besonders hervor. Eine Differenzierung nach Regionen lässt zwar durchaus gewisse Unterschiede bei der quantitativen Rückläufigkeit erkennen, diese haben aber insgesamt keinen erklärenden Charakter.

Opferzahlen

Allein die 1997 noch andauernden Gewaltkonflikte forderten nach vorsichtigen Schätzungen bisher mehr als 6,7 Millionen Todesopfer und noch mehr Verwundete. Dabei lässt sich feststellen, dass der Anteil der getöteten Zivilpersonen im Verhältnis zu den gefallenen Soldaten immer mehr angewachsen ist. Beim Einsatz vieler Waffen, wie z.B. Landminen, kann nicht mehr zwischen Militär und Zivilisten unterschieden werden. Zudem zielen manche Strategien gerade auf die Zivilbevölkerung ab, um die Kampfmoral der Gegner zu schwächen.

Zu den Opfern von Gewaltkonflikten sind auch ein Großteil der Mitte der 90er Jahre weltweit über 18 Millionen Flüchtlinge und 24 Millionen, die als Vertriebene im eigenen Land leben, zu zählen.

Wolfgang Schreiber, Stand 2007

http://www.sozialwiss.uni-hamburg.de/publish/Ipw/Akuf/kriege_archiv.htm

Kriege-Archiv: Kriege und bewaffnete Konflikte seit 1945

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Entwicklungstrends seit 1945

Die Hamburger Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) zählt 238 Kriege in der Zeit von 1945 bis 2007. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und bis Ende 1992 ist eine fast stetige Zunahme der weltweiten Kriegsbelastung von etwa einem laufenden Krieg pro Jahr zu beobachten. Bestimmte historische Ereignisse oder Perioden wie zum Beispiel der Ost-West-Konflikt und die Dekolonisation übten nicht den ihnen oft unterstellten Einfluss auf diesen Trend aus. Anscheinend wirken sich hier längerfristige und tiefergehende Prozesse aus.

Kriegsschauplätze / Akteure

Bei einer näheren Betrachtung der Kriege fällt zunächst auf, dass die Zentren der bürgerlich-kapitalistischen Welt weitgehend frei von Kriegen sind. Über 90 Prozent der Kriege nach 1945 fanden in Regionen der Dritten und ehemaligen Zweiten Welt statt, kriegerische Auseinandersetzungen verlagerten sich also fast vollständig in die Peripherien.

Von den 238 Kriegen fanden statt: in Asien 68, in Afrika südlich der Sahara 64, im Vorderen und Mittleren Orient 60, in Süd- und Mittelamerika 30 und in Europa 16. In Nordamerika fand überhaupt kein Krieg statt.

Allerdings steht der Befriedung innerhalb der industriegesellschaftlichen Welt nach 1945 ein relativ hohes Maß an kriegerischem Eingreifen einiger Industriestaaten in der Dritten Welt gegenüber. Bei der Häufigkeit der Kriegsbeteiligungen liegen Großbritannien (22 Beteiligungen), die USA (16) und Frankreich (14) (neben Indien (19), Irak (11) und Jemen (11)) in der Spitzengruppe. Die nähere Betrachtung zeigt jedoch, dass hierbei spezifische historische Umstände wie die Stellung als (ehemalige) Kolonialmächte oder der Versuch der USA, ihren Hegemonieanspruch militärisch durchzusetzen, eine Rolle spielten.

Zu Anfang der 1990er Jahre deuteten Interventionen der UNO bzw. im Auftrag oder zumindest mit ausdrücklicher Billigung des UN-Sicherheitsrates „weltpolizeiliche“ Lösungen an. Diese Tendenz ist jedoch nicht sicher. Überdies haben sich die wenigen UN-gestützten Interventionen als nicht sonderlich erfolgreich erwiesen, insbesondere wenn man eine politische Lösung als Maßstab anlegt. Die Bilanz der Interventionen von Einzelstaaten oder Staatengruppen ohne UN-Autorisierung sieht nicht besser aus. Auch diese scheiterten überwiegend entweder bereits militärisch, oder es konnte keine politische Lösung erzielt werden. Insgesamt ist zu beobachten, dass die Beteiligung Dritter an innerstaatlichen Kriegen seit den 1980er Jahren merklich zurückging. Dies lässt sich wohl auf die Erfahrung zurückführen, dass parteiisches Mitkämpfen in Kriegen anderer sich nicht „auszahlt“.

Innerstaatliche Kriege

Zwei Drittel aller Kriege seit 1945 sind innerstaatliche Kriege gewesen und nur ein knappes Viertel internationale Kriege, einschließlich der Dekolonisationskriege. Das fast stetige Wachstum der jährlichen Kriegsbelastung nach dem Zweiten Weltkrieg resultiert eindeutig aus der Zunahme der innerstaatlichen Kriege. Dass das Kriegsgeschehen nach dem Zweiten Weltkrieg von diesen dominiert wird, stellt eine qualitative historische Veränderung gegenüber früheren Perioden dar.

Bei den Kriegstypen sticht der hohe Anteil der „Antiregimekriege“ hervor. Dieses sind Kriege, in denen um den Sturz der Regierenden oder um die Veränderung oder den Erhalt des politischen Systems oder gar der Gesellschaftsordnung gekämpft wird. Diese machen fast die Hälfte aller innerstaatlichen Kriege aus, so dass der Kampf um Gesellschaftsform und Macht im Staate das Kriegsgeschehen seit 1945 am stärksten bestimmte. Vielen Machthabern in Ländern der Dritten Welt fehlt die Legitimität. Prinzipien, Regeln und institutionelle Formen, nach denen Systemwandel und Machtzuteilung bzw. Machtwechsel gewaltlos erfolgen kann, sind nicht vorhanden. Der gesellschaftliche Grundkonsens fehlt.

Auch die zweite große Gruppe der innerstaatlichen Kriege, in denen eine der beiden Kriegsparteien um größere oder völlige Unabhängigkeit von der Zentralregierung kämpft, ist ein Hinweis auf eine nur mangelhaft erfolgte gesellschaftliche Integration.

Ein erheblicher Teil der innerstaatlichen Kriege resultiert aus noch nicht erfolgter oder gescheiterter gesellschaftlicher Integration in einem häufig nur formal vorhandenen Staat. Dieses Scheitern wiederum ist Folge wirtschaftlicher Strukturschwächen, krasser Ungleichheiten in der Einkommensverteilung und der willkürlichen politischen Privilegierung bestimmter Gruppen.

Kriegsbeendigungen

Bei der Untersuchung, wie und mit welchen Ergebnissen Kriege enden, stellt sich heraus, dass nur ein knappes Fünftel aller Kriege durch einen militärischen Sieg der angreifenden Seite entschieden wurde. Wesentlich öfter – bei einem knappen Drittel der Kriege – behauptet sich die militärisch angegriffene Seite. In einem Zehntel der Fälle endeten Kriege einfach durch einen Abbruch der Kämpfe, und nur geringfügig häufiger stand am Ende eine Vereinbarung, sei es durch einen Waffenstillstand oder durch einen Kompromiss.

Mit etwa einem Drittel ist der Anteil der Kriegsbeendigung durch Vermittlung von dritter Seite überraschend hoch. Die Vermittlung durch Dritte ist offenbar zur Institution der Weltgesellschaft geworden. Auch wenn keine Daten zur Anzahl gescheiterter Vermittlungsbemühungen vorliegen, lässt sich feststellen, dass Vermittlungen weit häufiger zur Kriegsbeendigung beitragen als es gemeinhin den Anschein hat. In den erfolgreichen Fällen agierten in beachtlichen 40 Prozent die Vereinten Nationen als Vermittler. Auch wenn dies nur 12 Prozent der Gesamtzahl der beendeten Kriege sind, so ist die UNO offensichtlich besser als ihr Ruf.

Bemerkenswert ist auch, dass über zwei Drittel der zwischenstaatlichen Kriege im politischen Ergebnis unentschieden endeten bzw. der Status quo ante erhalten blieb oder wiederhergestellt wurde. Bei keinem Typ der innerstaatlichen Kriege hat die angreifende Seite eine deutliche Erfolgschance.

Quantitative Entwicklung des Kriegsgeschehens

Die 1990er Jahre waren zu Beginn durch einen starken Anstieg der Zahl der Kriege gekennzeichnet. Hier haben vor allem die Kriege im Gefolge der Auflösung der Sowjetunion und Jugoslawiens ihren Niederschlag gefunden. Seit 1992 lässt sich aber eine stark gegenläufige Tendenz feststellen. So sank die Zahl der Kriege von 55 im Jahr 1992, dem höchsten Stand seit Ende des Zweiten Weltkriegs überhaupt, bis 1997 auf etwa die Hälfte. Seither bewegte sich die Zahl der jährlich geführten Kriege um die 30. Die Erklärungen für dieses Phänomen sind derzeit noch unzureichend. Zwar gab es auch in früheren Perioden kurzfristige Rückgänge, allerdings bislang keine, die so ausgeprägt waren wie in den letzten Jahren.

Die Zahl der pro Jahr neu begonnenen Kriege weist keine Besonderheiten gegenüber der Zeit vor 1992 auf. Auffallend ist dagegen das Aufeinanderfolgen von mehreren Jahren mit hohen Zahlen von beendeten Kriegen. Die betreffenden Kriege lassen allerdings, was die Art ihrer Beendigung angeht, keine einheitliche Erklärung zu. Weder Vermittlungen Dritter noch militärische Erfolge oder ein Abbruch der Kämpfe stechen besonders hervor. Eine Differenzierung nach Regionen lässt zwar durchaus gewisse Unterschiede bei der quantitativen Rückläufigkeit erkennen, diese haben aber insgesamt keinen erklärenden Charakter.

Opferzahlen

Allein die 1997 noch andauernden Gewaltkonflikte forderten nach vorsichtigen Schätzungen bisher mehr als 6,7 Millionen Todesopfer und noch mehr Verwundete. Dabei lässt sich feststellen, dass der Anteil der getöteten Zivilpersonen im Verhältnis zu den gefallenen Soldaten immer mehr angewachsen ist. Beim Einsatz vieler Waffen, wie z.B. Landminen, kann nicht mehr zwischen Militär und Zivilisten unterschieden werden. Zudem zielen manche Strategien gerade auf die Zivilbevölkerung ab, um die Kampfmoral der Gegner zu schwächen.

Zu den Opfern von Gewaltkonflikten sind auch ein Großteil der Mitte der 90er Jahre weltweit über 18 Millionen Flüchtlinge und 24 Millionen, die als Vertriebene im eigenen Land leben, zu zählen.

Wolfgang Schreiber, Stand 2007

http://www.sozialwiss.uni-hamburg.de/publish/Ipw/Akuf/kriege_archiv.htm

Schreiber, Wolfgang: Kriege und bewaffnete Konflikte 2011. Ein erster Überblick, AKUF-Analysen Nr. 10, Dezember 2011
Online-Version (pdf) | Print-Version bestellen

Gerdes, Felix: Liberia’s Post-War Elite. A New Era of Inclusive Ownership or Old Wine in New Bottles? Arbeitspapier Nr. 1/2011 der Forschungsstelle Kriege, Rüstung und Entwicklung, Universität Hamburg 2011
Online-Version (pdf) | Print-Version bestellen

Balz, Mathis: Die Politische Ökonomie von Bürgerkriegen. Eine Kritik der „Neuen Kriege“ anhand der Fallbeispiele Angola, Somalia und Afghanistan. Arbeitspapier Nr. 2/2009 der Forschungsstelle Kriege, Rüstung und Entwicklung, Universität Hamburg 2009
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Gerdes, Felix: Militärputsch in Guinea. Hintergründe der aktuellen Entwicklungen, AKUF-Analysen Nr. 3, Januar 2009
Online-Version (pdf) | Print-Version bestellen

Haarhaus, Sophie: Offensive gegen die Lord’s Resistance Army im Kongo. Hintergründe und Perspektiven der militärischen Kooperation von Uganda, Kongo und Südsudan, AKUF-Analysen Nr. 5, Februar 2009
Online-Version (pdf) | Print-Version bestellen

Liebing, Maja: Nachhaltige Nutzung mineralischer Rohstoffe am Beispiel der DR Kongo. Untersuchung der Wirksamkeit und Übertragbarkeit politischer Maßnahmen. Arbeitspapier Nr. 5/2009 der Forschungsstelle Kriege, Rüstung und Entwicklung, Universität Hamburg 2009
Online-Version (pdf) | Print-Version bestellen

Schreiber, Wolfgang: Innerstaatliche Kriege seit 1945, in: Bundeszentrale für Politische Bildung: Dossier Innerstaatliche Konflikte, 2007 (online-Version)

Probst, ManuelDie Menschenrechte als universeller Rechtsmaßstab. Eine ideengeschichtliche Analyse. Arbeitspapier 2/2006 der Forschungsstelle Kriege, Rüstung und Entwicklung, Universität Hamburg 2006.
Online-Version (pdf) | Print-Version bestellen

Bakonyi, Jutta: Instabile Staatlichkeit. Zur Transformation politischer Herrschaft in Somalia. Arbeitspapier 3/2001 der Forschungsstelle Kriege, Rüstung und Entwicklung, Universität Hamburg 2001 
Online-Version (pdf) | Print-Version bestellen

Schreiber, Wolfgang: Die Kriege in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und danach, in: AKUF: Das Kriegsgeschehen 2000. Daten und Tendenzen der Kriege und bewaffneten Konflikte, hrsg. von Thomas Rabehl und Wolfgang Schreiber, Opladen: Leske + Budrich 2001, S. 11-46 (online-Version)

Kübler, Torge / Schneider, Patricia (unter Mitarbeit von Karl-Heinz Gienke): Kleinwaffen. Neue Herausforderungen für die Rüstungskontrollpolitik, Arbeitspapier Nr. 3/98 der Forschungsstelle Kriege, Rüstung und Entwicklung, Universität Hamburg 1998

Lentze, Matthias: Ethnizität in der Konfliktforschung. Eine Untersuchung zur theoretischen Fundierung und praktischen Anwendung des Begriffs „ethnischer Konflikt“, Arbeitspapier Nr. 1/98 der Forschungsstelle Kriege, Rüstung und Entwicklung, Universität Hamburg 1998

weitere Artikel in:

http://www.sozialwiss.uni-hamburg.de/publish/Ipw/Akuf/publikationen.htm#2012

Aufruf: An die Weltbevölkerung: Bilden wir eine weltweite Allianz für das Leben und organisieren wir einen Marsch für das Überleben, der zu einem neuen Verständnis führt und auf dieser Basis eine neue Politik durchsetzt, in der die Würde des Menschen im Mittelpunkt steht, nicht die Macht und Profitinteressen der jetzigen Geld-Eliten und ihrer Angestellten!

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Die afrikanisch-deutsche Initiative Black&White ruft angesichts der weiteren Verschärfung der globalen Krise dazu auf:

Aufruf an die Weltbevölkerung:
Bilden wir eine  weltweite „Allianz für das Überleben“ und organisieren wir einen „Marsch für das Überleben“

In jeder Stunde verhungern weltweit 300 Kinder! Eine Milliarde der sieben Milliarden Menschen hungert, obwohl die Welt zwölf Milliarden Menschen ernähren kann. Gewalt und Kriege breiten sich immer mehr aus, viele Menschen verlieren deshalb ihre Heimat und sind auf der Flucht!  Die herrschenden Schichten setzen zunehmend auf Krieg, wenn sie glauben, dass ihnen der Krieg mehr Geld einbringt als der Kriege sie kostet! Egal mit wie viel Leid er für die Bevölkerungen verbunden ist. Diese Kriege und die Rüstung verschlingen das Geld, das die Welt braucht, um für alle die Grundbedürfnisse: Essen, Wohnen, Bildung und Gesundheit zu sichern. Und die Kriege können sich leicht zu einer neuen weltweiten Konfrontation entwickeln,  angesichts der Massenvernichtungswaffen zu einer unvorstellbaren Katastrophe!

Die Welt produziert heute mehr als je zuvor dank der  weltweiten Zusammenarbeit! Fast jedes Produkt ist inzwischen ein Weltprodukt,  in dem Ideen, Arbeit, Kapital und Materialien aus vielen Ländern stecken.  Aber noch nie war Reichtum und Armut weltweit so ungleich verteilt! Verschwendung und Luxus wachsen weltweit ebenso wie extreme Armut, Hunger und Not. Vor allem die junge Generation und die Kinder sind davon extrem betroffen: Viele haben keine Chance auf gute Bildung und Ausbildung und eine sichere  Arbeitsstelle, die ihnen eine gute Lebensperspektive gibt. Selbst in Industrieländern verdüstern sich die Chancen der jungen Leute inzwischen! Und die Situation wird sich weiter verschärfen: Heute nutzt die Welt bereits eineinhalb Mal so viel Umwelt, wie sie nutzen dürfte, um die Erde und das Überleben dauerhaft zu sichern! Bereits seit Jahren nehmen Umweltkatastrophen an Schwere und Häufigkeit zu.  Wir übernutzen jetzt schon die Welt, obwohl noch 80 Prozent der Menschheit in Armut lebt und die Weltbevölkerung sich noch von sieben auf acht bis neun Milliarden Menschen vergrößern wird.

Bei fast allen Menschen wächst deshalb das Gefühl persönlicher Bedrohung und der Wunsch sich zu wehren! Wir sollten uns erinnern, eine solche Krise und ein solches Bedrohungsgefühl hat in der Weltwirtschaftskrise nach 1929 zur Machtergreifung von Gewaltherrschern geführt. Sie haben die Menschen mobilisieren können, in den anderen Völkern und in Minderheiten die Ursachen für die Krise und ihre Bedrohung zu sehen und gegen sie Gewalt anzuwenden und Kriege zu führen. Dies hat  die Welt in eine Katastrophe gestürzt, die 60 Millionen Menschen in den verschiedensten Teilen der Erde das Leben gekostet hat und große Regionen verwüstet hat. Und die jetzige Krise ist durchaus mit der Krise nach 1929 zu vergleichen. Alle Probleme, die zur Krise 2008 geführt haben, sind nicht beseitigt, sondern verschärfen sich weiter.

Warum passiert nichts? Unser Weltsystem ist immer noch ein System, in dem sich die Stärkeren auf Kosten der Schwächeren  durchsetzen! Die Banken und Fonds legen das Geld der  Vermögenden da an, wo die niedrigsten Löhne gezahlt werden, investieren in Maschinen, die Arbeit überflüssig machen und Menschen in die Arbeitslosigkeit treiben und  investieren in den Ländern mit den niedrigsten Umweltstandards und niedrigsten Steuersätzen.  Das bringt ihnen (zumindest kurzfristig) die größten Vermögenszuwächse, ruiniert aber die Lebensbedingungen der Menschen, die von ihrer Arbeit leben, die Umwelt und die Staatseinnahmen. Und ruiniert sogar die gesamt Wirtschaft, denn dieser Kurs führt zu Verschärfung der Krise, da die Menschen die Produkte nicht mehr kaufen können, die sie hergestellt haben. Zudem nutzen die Staaten, die die größte politische und militärische Macht haben, diese Macht im Interesse der in ihrem Land herrschenden Eliten die Macht immer noch, um ungerechte Beziehungen gegen andere Staaten durchzusetzen oder aufrechtzuerhalten und deren Rohstoffe unter ihre Kontrolle zu bringen. Überall bestimmen die Interessen von geldbesitzenden Eliten die Politik, nicht das Interesse an der Zusammenarbeit im Dienste des Überlebens von jedem von uns und der Menschheit als Ganzes.

Der Versuch, nach dem Zweiten Weltkrieg eine Weltordnung zu schaffen, die solche Krisen und einen neuen Weltkrieg verhindert, ist in den Anfängen stecken geblieben! Das Verständnis der  von den Staaten 1948 beschlossenen Allgemeinen Menschenrechtserklärung, dass wir weltweit eine gemeinsame menschliche Familie sind und die Aufgabe haben, gemeinsam und füreinander zu handeln und füreinander zu sorgen, bestimmt auch heute noch nicht das Denken und Fühlen. Das Vorhaben, weltweit als Grundlage für die neue Ordnung freundschaftliche Beziehungen zwischen Menschen der verschiedenen Völker und Religionen aufzubauen, ist kaum umgesetzt worden. Die Vision der Menschenrechtserklärung ist, dass die Staaten  so zusammenarbeiten, dass die Ressourcen nicht mehr im Machtstreben der Staaten verschwendet werden! Sie sollen dafür eingesetzt werden, allen Menschen der Welt ein menschenwürdiges Leben zu sichern. Diese Ziele  konnten die Bevölkerungen bis heute nicht gegen die führenden Schichten in ihren Staaten durchsetzen, die den Staat immer noch als ihr Eigentum betrachten.

Wir halten aber dieses Verständnis und diese Vision der Zusammenarbeit als menschliche Familie für richtig und sogar existenznotwendig für die Menschheit! Gerade in der heutigen Weltwirtschaft, in der wir alle voneinander abhängig sind. Wir schlagen Euch deshalb vor, jetzt eine weltweite Koalition zu bilden, um diese Allgemeine Erklärung der Menschenrechte jetzt endlich umzusetzen, um den Marsch in eine weitere, möglicherweise letzte Katastrophe der Menschheit zu verhindern.

Wir brauchen heute die weltweite Zusammenarbeit angesichts der existentiellen Herausforderungen und wenn die Eliten das nicht schaffen, weil sie in Systemzwängen von Konkurrenz und Machtkämpfen stecken, dann müssen die Bürger, „the common people“ , dies Zusammenarbeit  aufbauen und durchsetzen.  Wir, die wir bisher nicht gefragt und häufig auch nicht informiert und gebildet werden über diese globalen Zusammenhänge müssen jetzt aktiv werden, sonst hat die Menschheit  keine Chance zu überleben! Wir müssen lernen, die großen Herausforderungen der  Welt zu verstehen und die vorhandenen Möglichkeiten erforschen, die Krisen zu überwinden! Wir müssenlernen, trotz und gegen den Einfluss der von den Eliten kontrollierten Massenmedien die anderen Menschen zu begeistern mit uns zusammen für das Überleben zu ringen! Und dass sie nicht wieder Führern hinterherzulaufen, die uns gegeneinander aufhetzen und dahin führen, uns gegenseitig Gewalt anzutun. Wenn wir uns aber weiterhin zuerst als Moslems oder Christen, Deutsche, Amerikaner, Russen oder Chinesen, Weiße oder Schwarze, Männer oder Frauen begreifen und nicht zuerst als Menschen, die nur durch Zusammenarbeit unser Überleben sichern können, dann hat die Menschheit keine Chance mehr!

Wenn wir die Dinge so weiterlaufen lassen, haben wir und sicher unsere Kinder und Enkel schon verloren! Wenn wir es anpacken, haben wir immerhin noch eine Chance! Wir sind dafür,  diese Chance  zu nutzen!

Wir regen an, eine weltweite „Allianz für das Überleben“ zu bilden. Wir sollten beginnen, weltweite freundschaftliche Beziehungen zwischen den Menschen zu fördern, zwischen Menschen aus Nord und Süd, Christen, Muslimen und Juden, Chinesen, Amerikanern, Afrikanern und Europäern.  Menschen aller Parteien, Religionen, Nationen, Ethnien und Hautfarben müssen jetzt für das Überleben zusammenarbeiten, wir brauchen uns alle, wir haben in unseren Kulturen alle Seiten, die wir einbringen können, um eine Wende vom Kampf um Vorherrschaft hin zur weltweiten Kooperation durchzusetzen und denen die Macht zu nehmen, die uns aus egoistischen Motiven in die Katastrophe führen!

Wir fordern die Bürger auf, aktiv zu werden, Intellektuelle, religiöse Einrichtungen, Schulen und Universitäten, Arbeiter und Wirtschaftsorganisationen, Bauern, Frauen und Jugendorganisationen, sie alle können beitragen, die Allianz für das Überleben aufzubauen und an der Ausarbeitung und Umsetzung der nötigen und möglichen Reformen mitzuwirken.

Folgende Ziele schlagen wir für die globale Allianz „Das Überleben sichern“ vor!

1.) Stärkung und Ausbau der demokratischen Kultur und Demokratie von der lokalen bis zur globalen Ebene

2.) Arbeit an der Beendigung der aktuellen Kriege durch Verhandlungen, Vorbeugung und Verhinderung neuer Gewaltausbrüche, Aufbau von globalen Institutionen zur friedlichen Konfliktlösung, Abrüstung

3.) Umbau unserer Lebens- und Wirtschaftsweise dahin, dass sie den Planeten nicht übernutzen

4.) Ausrichtung unserer Wirtschaft auf die Überwindung von Not, hin zu sozialer Sicherheit und sozialer Gerechtigkeit

5.) Schaffung einer Kultur der Toleranz und des gegenseitigen Respekts, der Solidarität und Freiheit

6.) Ausrichtung der Bildung darauf, selbstbewusste, unabhängige Persönlichkeiten zu fördern, die bereit sind im Sinne der Menschenrechtserklärung sich an der Gestaltung einer zukunftsfähigen Welt zu beteiligen.

Wir von der afrikanisch-deutschen Initiative Black&White regen an, zur Unterstützung dieser Allianz Zukunftswerkstätten und Komitees aufzubauen und von ihnen die persönliche Vernetzung, den Aufbau von freundschaftlichen Beziehungen, den Austausch von Nachrichten und Bildung und Aktionen zu organisieren.

Als eine gemeinsame Aktion schlagen wir die Organisation eines „Marsches für das Überleben“ vor! Er soll in der Öffentlichkeit die globalen und verdrängten Herausforderungen der Menschheit zur Diskussion stellen und die Menschen anregen, eine globale Allianz für das Überleben aufzubauen.  Dieser Marsch soll erst enden, wenn er als Marsch durch die Institutionen auch erreicht hat, dass die Regierungen, die Verwaltungen und die Wirtschaft endlich sich an das halten, was unsere Staaten 1948 mit der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte beschlossen haben: Endlich eine Welt zu schaffen, in der alle Menschen weltweit ein Recht auf Leben ohne Not und Furcht haben und an der Entwicklung der Welt gleichberechtigt teilhaben und Gewalt und Krieg von der Erde verbannt sind.

Wer diesen Aufruf mittragen und unterzeichnen will, als Bürger oder Organisation, mag

Initiative Black&White e.V., 37281 Wanfried, Tel: 05655-924981, b.u.w@gmx.net

 

Krise in Griechenland Eine Gesellschaft stürzt ins Bodenlose – Georg Pieper machte sich keine Illusion, als er nach Athen fuhr. Aber was der Traumatherapeut dort sah, hat die schlimmsten Befürchtungen übertroffen. Ich frage mich, wie viel diese Gesellschaft noch aushalten kann, bevor sie explodiert.“ Griechenland stehe kurz vor einem Bürgerkrieg. Es scheint lediglich noch eine Frage der Zeit zu sein, bis sich die kollektive Verzweiflung der Menschen in Gewalt entlädt und über das Land ausbreitet. Und davon sind wir alle betroffen. Ich frage mich, wie viel diese Gesellschaft noch aushalten kann, bevor sie explodiert.“ Griechenland stehe kurz vor einem Bürgerkrieg. Es scheint lediglich noch eine Frage der Zeit zu sein, bis sich die kollektive Verzweiflung der Menschen in Gewalt entlädt und über das Land ausbreitet. Und davon sind wir alle betroffen.

Krise in Griechenland
Eine Gesellschaft stürzt ins Bodenlose

15.12.2012 · Georg Pieper machte sich keine Illusion, als er nach Athen fuhr. Aber was der Traumatherapeut dort sah, hat die schlimmsten Befürchtungen übertroffen: Die griechische Gesellschaft explodiert unter dem Druck der Krise.
Von Melanie Mühl

© AFP
Ein Land unter Schock: Die Familie Tsouvalakis verlor mit der Stelle des Mannes die Lebensgrundlage
Traumata sind Georg Piepers Geschäft. Wann immer in den vergangenen Jahrzehnten eine Katastrophe über Deutschland hereinbrach, war der Traumatologe zur Stelle, das war 1988 beim Grubenunglück in Borken so, das war so bei dem ICE-Unglück in Eschede und auch beim Erfurter Amoklauf. Nach den Anschlägen in Oslo und Utøya ist Pieper nach Norwegen gereist und hat die Kollegen dort betreut. Georg Pieper weiß, was es heißt, genau hinzuschauen und die Dimension einer Katastrophe zu ermessen.

Erst vor wenigen Wochen, im Oktober, verbrachte Pieper einige Tage in Athen, wo er Psychologen, Psychiater und Ärzte in Sachen Traumatherapie fortbildete, unentgeltlich freilich, das Land ist, wie wir alle wissen, in der Krise, weshalb sich Pieper auf einiges gefasst gemacht hatte, als er dorthin aufbrach. Doch die Realität hat seine düsteren Erwartungen übertroffen.
Abwehrmechanismus der Politiker

Für den deutschen Nachrichtenkonsumenten ist die Krise sehr weit weg und nicht mehr als eine ferne Bedrohung irgendwo am Horizont. Sie erschließt sich uns in allererster Linie durch Begriffe wie Rettungsschirm, Schuldenschnitt, Milliardenlöcher, Misswirtschaft, Troika, Hilfspakete, Schuldenrückkauf oder Bankenrettung, ohne dass wir verstehen würden, was all diese Wörter eigentlich bedeuten. Statt die globalen Zusammenhänge zu verstehen, sehen wir Angela Merkel in Berlin, Brüssel oder sonst wo mit ernster Miene aus dunklen Limousinen steigen, auf dem Weg zum nächsten Gipfel, wo Griechenlands und damit Europas Rettung wieder ein Stück weiter vorangebracht werden soll.

Nur die Wahrheit erfahren wir nicht, nicht über Griechenland, nicht über Deutschland, nicht über Europa. Offenbar wagt es niemand, sie uns zu sagen. Pieper nennt das, was da gerade vor unser aller Augen geschieht, eine „gigantische Verdrängungsleistung“. Besonders der Abwehrmechanismus der Politiker funktioniere hervorragend.
Verdoppelte Selbstmordrate

Georg Pieper neigt nicht zum Verdrängen. Griechenland sah im Oktober 2012 für ihn folgendermaßen aus: Hochschwangere Frauen eilen bettelnd von Krankenhaus zu Krankenhaus, doch weil sie weder eine Krankenversicherung noch genügend Geld haben, will niemand ihnen helfen, ihr Kind zur Welt zu bringen. Menschen, die noch vor kurzem zur Mittelschicht zählten, sammeln in einem Athener Vorort Obst- und Gemüsereste von der Straße, Junge, Alte, Kinder, während neben ihnen die Marktstände abgebaut werden. Auf das Essen haben es allerdings auch die Tauben abgesehen.

Ein alter Mann erzählt einem Reporter, dass er sich die Medikamente gegen seine Herzbeschwerden nicht mehr leisten kann. Seine Rente wurde wie die Rente vieler anderer um die Hälfte gekürzt. Mehr als vierzig Jahre hat er gearbeitet, er dachte, er habe alles richtig gemacht, jetzt versteht er die Welt nicht mehr. Wer in ein Krankenhaus geht, muss seine eigene Bettwäsche mitbringen, ebenso sein Essen. Seit das Putzpersonal entlassen wurde, putzen Ärzte, Schwestern und Pfleger, die seit Monaten kein Gehalt mehr bezogen haben, die Toiletten. Es fehlt an Einweghandschuhen und Kathetern. Die Europäische Union warnt angesichts der teilweise verheerenden hygienischen Bedingungen vor der Gefahr einer Ausbreitung von Infektionskrankheiten.

Ganze Wohnblocks sind mittlerweile aus finanziellen Gründen von der Öllieferung abgeschnitten. Damit die Menschen im Winter nicht frierend in ihren Wohnungen hocken müssen, beheizen sie diese mit kleinen Öfen. Das Holz dafür schlagen sie illegal. Im Frühling dieses Jahres hat sich ein siebenundsiebzigjähriger Mann vor dem Parlament in Athen erschossen. Kurz vor seiner Tat soll er gerufen haben: „So hinterlasse ich meinen Kindern keine Schulden.“ Die Selbstmordrate hat sich in den vergangenen drei Jahren verdoppelt.
Die Depression der Männer

Ein Trauma ist ein Ereignis, das die Erfahrungswelt des Einzelnen bis in seine Grundfesten erschüttert. Das Erlebte ist derart übermächtig, dass es den Betroffenen in einen Strudel absoluter Hilflosigkeit zieht. Nichts ist mehr, wie es einmal war, und nichts wird jemals wieder so sein. Nur ein Zyniker spricht im Hinblick auf Griechenland noch von sozialem Abstieg. Es ist viel mehr als das: Eine Gesellschaft fällt ins Bodenlose. Wir erleben gerade eine kollektive Traumatisierung.

„Besonders hart trifft die Krise die Männer“, sagt Pieper. Männer ziehen ihre Identität bekanntlich viel stärker als Frauen aus der Arbeit, aus ihrem Marktwert also. Aber der Marktwert der allermeisten sinkt unaufhörlich, und die Arbeit wird nicht mehr in derselben Höhe entlohnt, wie es früher der Fall war. Oft fällt sie gleich ganz weg, ohne dass es Aussicht auf eine neue Stelle gäbe. Die Männer fallen in ein tiefes Loch. Es ist auch ein Angriff auf ihre Männlichkeit. Psychische Krankheiten wie Depressionen oder Angststörungen breiten sich in Griechenland inzwischen epidemisch aus. Da sich nur noch die wenigsten therapeutische Hilfe leisten können, bleiben die Kranken in der Regel unbehandelt. Niemand wird überrascht sein, dass drei Viertel aller Suizide von Männern begangen werden.

Das starke Geschlecht stellen im Moment die griechischen Frauen dar. Sie verbinden ihre berufliche Tätigkeit eher mit Pragmatismus als mit Stolz, weshalb sie weniger tief fallen als die Männer. Ihr flexibles Rollenverständnis ist der beste Schutz gegen die Krise, aber er wird nicht ausreichen, um sie zu besiegen.
Glocke der Solidarität

Man muss weder ein Pessimist noch ein Experte sein, um sich auszumalen, was das für die sozialen Beziehungen der Menschen untereinander und für den Kitt der griechischen Gesellschaft bedeutet. Die Wut auf ein korruptes, pervertiertes System sowie die internationale Politik, deren Geldtranchen in die Rettung der Banken fließen, aber nicht in die Rettung der Menschen, ist ungeheuerlich, und sie wächst unaufhaltsam. Die Männer tragen diese Wut in ihre Familien, und die Söhne verarbeiten sie stellvertretend auf der Straße. Die Zahl der gewalttätigen Banden, die Minderheiten attackieren, steigt.

Im November sprach Amerika deshalb eine Reisewarnung für Griechenland aus – besonders gefährdet seien derzeit Menschen mit dunkler Hautfarbe. Gerade bei einem Land wie Griechenland, zu dessen Selbstverständnis die Gastfreundschaft zählt, die Offenheit Fremden gegenüber, schockiere ihn das, sagt Pieper. Die Rechtsradikalenpartei Chrysi Avgi liegt in Umfragen bereits bei zwölf Prozent, sie wäre damit die drittstärkste Kraft im Land. Soeben ist im Knaus-Verlag Georg Piepers neues Buch erschienen, es heißt „Überleben oder Scheitern. Die Kunst, in Krisen zu bestehen und daran zu wachsen“. Es ist ein eindrucksvolles, ein positives Buch, das zeigt, wie erstaunlich die Überlebenskräfte des Einzelnen sind. Selbst der verheerendste Schicksalsschlag muss einen nicht zwangsläufig in die Knie zwingen, denn jeder von uns ist mit einem enormen Überlebenswillen ausgestattet. So weit die gute Nachricht.

Die schlechte lautet, dass es dafür eine funktionierende Gesellschaft braucht, ein Netz, das einen auffängt. Welche Kraft eine solche Gesellschaft entfalten kann, zeigt auf eindrucksvolle Weise das Beispiel Utøya. Ganz Norwegen stand den Betroffenen nach dem Massaker bei, es war, als hätte jemand eine Glocke der Solidarität über das Land gestülpt.

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In Griechenland wurde die funktionierende Gesellschaft so lange ausgehöhlt, bis sie schließlich zusammengebrochen ist wie ein marodes Haus. Die Krise hat den Sozialstaat zerstört. „Der Mensch“, sagt Pieper, „wird in solchen dramatischen Situationen, wie wir sie gerade in Griechenland beobachten, zu einer Art Raubtier. Er sieht nur noch sich selbst und sein eigenes Überleben.“ Die schiere Notwendigkeit treibt ihn in die Unvernunft, und diese Unvernunft bedeutet im schlimmsten Fall Kriminalität. An die Stelle der Solidarität tritt Egoismus.

Vor wenigen Tagen veröffentlichte Transparency International wie jedes Jahr einen Korruptionsindex. Dass Griechenland ein ziemlich großes Problem mit Korruption hat, ist nicht neu, wie groß es wirklich ist, zeigt nun der Bericht. Griechenland belegt innerhalb der Europäischen Union den letzten Rang und lässt sich bezüglich der Korruption mit Kolumbien oder Djibouti vergleichen. Solche Nachrichten sind pures Gift.

Georg Pieper sagt: „Ich frage mich, wie viel diese Gesellschaft noch aushalten kann, bevor sie explodiert.“ Griechenland stehe kurz vor einem Bürgerkrieg. Es scheint lediglich noch eine Frage der Zeit zu sein, bis sich die kollektive Verzweiflung der Menschen in Gewalt entlädt und über das Land ausbreitet. Und davon sind wir alle betroffen.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/krise-in-griechenland-eine-gesellschaft-stuerzt-ins-bodenlose-11992352.html

Irans Armeechef: Patriots in Türkei könnten Weltkrieg heraufbeschwören – Iran: Patriots in Türkei könnten Weltkrieg heraufbeschwören

Iran:
Patriots in Türkei könnten Weltkrieg heraufbeschwören

15. Dezember 2012, 17:45

Iran: Patriots in Türkei könnten Weltkrieg heraufbeschwören

Teheran/Ankara/Damaskus – Die von der NATO geplante Stationierung von Patriot-Abwehrraketen an der türkisch-syrischen Grenze könnte nach Einschätzung des iranischen Armeechefs einen Weltkrieg heraufbeschwören. In den Konflikt könnte auch Europa einbezogen werden, zitierte die studentische Nachrichtenagentur im Iran am Samstag Armeechef Hassan Firouzabadi.

Die Türkei hat ihre NATO-Bündnispartner um die Entsendung der Flugabwehrraketen gebeten. Deutschland, die USA und die Niederlande haben die Entsendung von Patriot-Systemen bereits zugesagt. Jede dieser Patriots sei ein Schandfleck auf der Weltkarte und könnte einen Weltkrieg verursachen, sagte General Firouzabadi. „Sie schmieden Pläne für einen Weltkrieg, und das ist sehr gefährlich für die Zukunft der Menschheit und die Zukunft von Europa.“

Der Iran ist in dem seit 21 Monaten dauernden Aufstand gegen die syrische Führung ein Verbündeter von Präsident Bashar al-Assad. Im Zuge des Bürgerkriegs in Syrien waren auf türkischer Seite der rund 900 Kilometer langen Grenze mehrfach Granaten eingeschlagen. Im Grenzgebiet gehen Soldaten der Regierung gegen Rebellen vor. Besondere Sorge bereiten der Türkei die Chemiewaffen im Besitz der Armee (APA/Reuters, 15.12. 2012)