Startseite » Marsch der Freunde für Afrika - für Maßnahmen in Afrika und gegenüber Afrika, die zur Umsetzung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte führen » Rohstoffboom reißt Afrika aus der Hoffnungslosigkeit: Wer aber heute Afrika neu entdeckt, der sieht nicht mehr nur Korruption, fehlende Infrastruktur und Armut, der sieht auch Wachstumsraten, wie sie bisher Asien kannte, Politiker, die mit der Vergangenheit brechen und Unternehmer, die ihren Kontinent mit Fleiß, Geld und Ideen voranbringen und nicht mehr von der Entwicklungshilfe abhängig sein wollen.

Rohstoffboom reißt Afrika aus der Hoffnungslosigkeit: Wer aber heute Afrika neu entdeckt, der sieht nicht mehr nur Korruption, fehlende Infrastruktur und Armut, der sieht auch Wachstumsraten, wie sie bisher Asien kannte, Politiker, die mit der Vergangenheit brechen und Unternehmer, die ihren Kontinent mit Fleiß, Geld und Ideen voranbringen und nicht mehr von der Entwicklungshilfe abhängig sein wollen.

Neueste Beiträge

Archive

Kategorien

Eine Reise durch den Kontinent

Rohstoffboom reißt Afrika aus der Hoffnungslosigkeit

15.12.2012, 15:25 Uhr

Wer Afrika bereist, der sieht nicht mehr nur Korruption und Armut. Sondern auch Wachstumsraten, wie sie bisher Asien kannte. Mit Fleiß, Geld und Ideen wollen Unternehmer und Politiker ihre Länder voranbringen.

Die Megacity Lagos in Nigeria mit 10,4 Millionen Einwohnern
Die Megacity Lagos in Nigeria mit 10,4 Millionen Einwohnern

Luanda: Es gibt diese typischen Bilder von Afrika, die jeder sofort im Kopf hat: die idyllischen Bilder von atemberaubenden Landschaften und außergewöhnlichen Tieren. Und die bedrückenden von Slums, Krieg und Hunger. Und doch hat Afrika – natürlich – auch andere Gesichter, hat sich vieles dort geändert. Sechs Beispiele von Städten, die so ganz anders sind.

Luanda ist die vielleicht typischste Metropole im vielleicht typischsten Land eines untypischen Kontinents. Während sich in den 80er-Jahren die asiatischen Länder und in den 90er-Jahren die meisten lateinamerikanischen Länder aufmachten, mit dem Westen zu handeln, Anschluss zu suchen, blieb Afrika der blinde Fleck auf der Karte der Globalisierung. Wer aber heute Afrika neu entdeckt, der sieht nicht mehr nur Korruption, fehlende Infrastruktur und Armut, der sieht auch Wachstumsraten, wie sie bisher Asien kannte, Politiker, die mit der Vergangenheit brechen und Unternehmer, die ihren Kontinent mit Fleiß, Geld und Ideen voranbringen und nicht mehr von der Entwicklungshilfe abhängig sein wollen. Aber kann dieser Aufschwung von Dauer sein?
Luanda in Angola. Quelle: Reuters
Luanda in Angola. Quelle: Reuters

Vor nicht allzu langer Zeit war Luanda eine malerische Kolonialstadt im Süden Afrikas – mit Barockbauten, engen Gassen und einer lauschigen Uferpromenade. Heute erstickt die Hauptstadt von Angola im Dauerstau. Eine Blechlawine aus Tankzügen, Zementlastern und Geländewagen wälzt sich durch die Altstadt. Befeuert vom Ölrausch wächst die Metropole wie keine andere Stadt in Afrika. Seit der Eröffnung eines Großflughafens treffen Direktflüge aus aller Welt ein, vor allem aus Asien. Nach einem dreißigjährigen Bürgerkrieg ist das Land zum zweitgrößten Ölförderer Afrikas aufgestiegen. In den Einkaufszenten findet sich nun teures Sortiment, eine Pizza kostet 25 Dollar, ein einfaches Hotelzimmer bis zu 300 Euro die Nacht.

Whitey Basson ist einer der Menschen, die daran arbeiten. Basson ist ein Typ, der qua Status von wenigen Widrigkeiten erschreckbar zu sein scheint. Er hat mit Shoprite Checkers die größte Supermarktkette Südafrikas gegründet. Lange konzentrierte er sich auf sein Heimatland. Mittlerweile hat er 230 Filialen außerhalb Südafrikas auf dem Kontinent eröffnet. Als Basson dieses Jahr seine Ergebnisse vorlegte, verkündete er, dass Angola einen wesentlichen Teil zum Umsatz beisteuert. Bassey ist kein Illusionist. Mit Blick auf fehlende Infrastruktur, Regulierungswut und Korruption sagt er: „Man muss alles selber machen.“ Aber er sagt auch: „Irgendwie lohnt es sich doch.“

Dossier zum Download Afrika – Kontinent der Chancen

Das Wachstum beschleunigt sich, die Mittelklasse wächst, die Hoffnungslosigkeit weicht neuer Zuversicht: Wie Afrika den Anschluss an die globalisierte Welt schaffen will – und wie Firmen und Anleger profitieren können.

Dossier zum Download: Afrika – Kontinent der Chancen

Er sieht das an Luanda. Ausländische Rohstoffkonzerne investierten, in ihrem Schlepptau entdeckten Dienstleister und Zulieferer die Region. Der Boom begann. Seit 2002 hat das Land mehr als 150 Milliarden Dollar in Brücken, Straßen, Schienen und Häuser gesteckt. Kontrolliert aber wird die Wirtschaft von Präsident José Eduardo Dos Santos, der seit 33 Jahren herrscht, und seinen Generälen. Ohne sie läuft fast nichts. Angola zeigt das Potenzial des Kontinents, aber auch die fragilen Grundlagen. Zwischen 2004 und 2008 wuchs die Wirtschaft mit durchschnittlich 20 Prozent. Doch sinkt der Ölpreis, sinkt auch die Konjunktur.

Wie ein deutscher Mittelständler unter solchen Umständen Geld verdient, zeigt Krones. Der Weltmarktführer für Getränkeabfüllmaschinen hat 21 Komplettanlagen in das südwestafrikanische Land geliefert. Um bei technischen Problemen vor Ort zu sein, hat Krones in Angola 40 Mitarbeiter angestellt. „Die Kunden verlangen bei dem hohen Maschinenbestand neben einem schnellen Service auch eine Ausbildung ihrer Mitarbeiter“ sagt Afrika-Chef Heiko Feuring.

Namibia hat auch wirtschaftlich einiges zu bieten. Quelle: dpa
Namibia hat auch wirtschaftlich einiges zu bieten. Quelle: dpa

Etwas außerhalb des Nests im Norden Namibias liegen Chance und Risiko besonders eng zusammen. Gerhard Hirth, Chef des Ulmer Zementherstellers Schwenk, lernt hier gerade sehr viel darüber, wie viele Rückschläge nötig sind, um von Afrikas Aufschwung zu profitieren. Im Februar 2011 eröffnete Hirth im Beisein von viel Politprominenz hier im Norden eine Zementproduktion. 250 Millionen Euro investierten die Schwaben hier, so viel wie kein Konzern zuvor. Hirth war sich sicher: Es ist gut angelegtes Geld.

Perspektivisch dürfte dies auch so sein. In der Gegenwart aber hatte Hirth mit einer Sache nicht gerechnet: Plötzlich überschwemmten Billigimporte aus China den Markt. In seiner Not appellierte Hirth an die Regierung, seine Fabrik in der Startphase vor solchen Billigimporten zu schützen. Vieles spricht dafür, dass dies nun geschieht. Schließlich befindet sich ein Drittel der Fabrik in den Händen lokaler Investoren. Die Fabrik wird nun später als geplant Gewinn abwerfen. Aber einen langen Atem braucht ohnehin jeder, der in Afrika investiert.

Gaborone in Botwwana.
Gaborone in Botwwana.

Lange ist auf der Fahrt nach Westen nichts als Steppe und Geröll zu sehen. Es hat seinen Grund, dass Botswana in der Sprache seiner Bewohner „lechzendes Land“ heißt. Doch dann klafft plötzlich eine riesige offene Wunde im Boden: 320 Meter tief ist die im Tagebau betriebene Mine von Jwaneng, 160 Kilometer westlich der verträumten Hauptstadt Gaborone. Millionen von Karat kratzen die Arbeiter und Ingenieure hier Jahr für Jahr aus dem roten Boden der Kalahari, mehr als aus jeder anderen Diamantenmine.

Insgesamt fördert Botswana in seinen vier Gruben rund 30 Prozent der weltweiten Produktion. Die Menschen hier erwirtschaften etwa 15 000 Dollar pro Kopf im Jahr, dreimal mehr als noch vor zehn Jahren. Grundlage seines Reichtums ist bis heute die erfolgreiche Partnerschaft des Landes mit dem weltgrößten Diamantenförderer De Beers. Ihr Joint Venture, Debswana, zeigt, was mit einer Kooperation des Staates und der Privatwirtschaft in Afrika möglich wäre.

Im Gegensatz zu vielen anderen Staaten des Kontinents verschleuderte Botswanas Regierung den neuen Reichtum nicht, sondern legt ihn klug an: So wurden 6 000 Kilometer asphaltierte Straßen gebaut, ein modernes Kommunikationsnetz errichtet und ein vorbildliches Gesundheits- und Bildungswesen geschaffen.

Präsident Ian Khama und seine Vorgänger haben sich nachweislich dem Gemeinwohl verpflichtet – und richten das Land auch für die Zeit, in der die Diamantenförderung zu Ende geht, neu aus. In zwei Jahrzehnten dürfte das so sein.

Strohhütten in Kampala.
Strohhütten in Kampala.

Kein Bier geht in James Mutumbas Hinterhofkneipe in Ugandas Hauptstadt Kampala so flott über den Tresen wie die Marke „Eagle“. Dabei gibt es das Gebräu aus Sorghumhirse und Maniok, einer Knollenfrucht, erst seit ein paar Jahren am ugandischen Markt. Das Bier selbst schmeckt fast wie die Hellbiere aus westlicher Produktion. Allerdings sind die lokalen Zutaten weit billiger. Mutumba hat sich spezialisiert, dieses Bier auszuschenken – und sich so eine Zielgruppe erschlossen, die es sich bisher nicht leisten konnte, auszugehen.

Erfinder von „Eagle“ ist der südafrikanische Brauriese SAB Miller. „Wer in Afrika erfolgreich sein will, muss andere Wege als in den reifen Märkten gehen“, sagt Mark Bowman, Chef der Afrika-Division. Für die Menschen in Uganda zahlt sich die Nutzung lokaler Bierzutaten aus: Gut 50 000 Kleinbauern aus ganz Afrika beliefern inzwischen den Brauriesen mit Maniok und Sorghumhirse. Nachdem viele der Bauern die Frucht lange Zeit fast nur für den Eigenbedarf anbauten, produzieren sie nun erstmals in größerem Stil für den Markt.

Ein Markt in Lagos, Nigeria. Quelle: dapd
Ein Markt in Lagos, Nigeria. Quelle: dapd

Solche Sorgen sind Aliko Dangote fremd. Der Nigerianer, dessen Vermögen auf gut elf Milliarden Dollar geschätzt wird, gilt als Prototyp des afrikanischen Unternehmers. Ehe der Sohn einer wohlhabenden muslimischen Familie aus Nordnigeria jedoch in die Zementproduktion einstieg, etablierte er in einigen Marktnischen eine führende Position als Importeur. Der Durchbruch gelang ihm vor zwölf Jahren mit dem Bau einer Zuckerraffinerie und eines Zementterminals.

Seine Bewunderer loben Dangotes Mut beim Aufbau einer industriellen Basis in dem mit 160 Millionen Menschen bevölkerungsreichsten Staat Afrikas. Schließlich wird bisher nur wenig lokal produziert. Hoch angerechnet wird dem 55-Jährigen, dass er seinen Reichtum nicht, wie viele andere afrikanische Geschäftsleute, im Ausland bunkert, sondern im eigenen Land reinvestiert. Allerdings beruht auch sein Erfolg wie so oft in Afrika auf den vielen engen Kontakten bis in die Staatsspitze. Dangote selbst hält dies für völlig legitim: „Wer in einem politisch unruhigen Umfeld so viel Geld investiert, ist gezwungen, auf gewisse Weise Einfluss zu nehmen“, sagt er. Auch die Margen von mehr als 50 Prozent rechtfertigt er. „Die hohen Renditen entschädigen für das mit Afrika verbundene Risiko.“

Ein Mann in der Innenstadt von Tunis, Tunesien.
Ein Mann in der Innenstadt von Tunis, Tunesien.

Von hohen Renditen ist Ahmed Ben Miled weit entfernt. Er gibt die Hochglanzzeitschrift „Femmes de Tunisie“ heraus, eine Art „Cosmopolitan“. Daneben produziert er eine tunesische Version von „Schöner Wohnen“ und das Bordmagazin der staatlichen Fluggesellschaft Tunisair. Die ersten Gehversuche unternahm er schon während seines Studiums an einer Pariser Business-School, 2008 kam die erste Ausgabe von „Femmes de Tunisie“ auf den Markt. Heute beschäftigt er in seinen Büros nahe des Flughafens von Tunis 16 Festangestellte.

Ben Miled lebt Unternehmergeist in einem Land, das nichts dringender gebrauchen kann. Der Anfang 2011 davongejagte Diktator Ben Ali hat jahrzehntelang alles dafür getan, den Menschen jegliche Eigeninitiative auszutreiben – ähnlich wie seine Schicksalsgenossen Husni Mubarak in Ägypten oder Libyens Muammar el Gaddafi. Seinen Nachfolgern hinterließ Ben Ali einen aufgeblähten Staatsapparat und eine unterentwickelte Firmenlandschaft. Die Wirtschaft kommt nur langsam in Fahrt, jeder fünfte Tunesier ist arbeitslos.

Ben Miled bekommt das zu spüren, „der Anzeigenmarkt ist nicht gerade euphorisch“, berichtet er. Aber es regt sich etwas: Mussten Verleger zu Ben Alis Zeiten endlos auf Lizenzen für neue Blätter warten, entstehen seit dem Sturz des Diktators Dutzende neue Magazine, Zeitungen und TV-Sender. Sie müssen hart um Leser und Anzeigenkunden kämpfen, nur die gut gemachten Angebote überleben. Ben Miled und seine Wettbewerber haben für ihre Branche etwas geschaffen, das nicht nur Tunesien am besten helfen wird: einen funktionierenden, vibrierenden Markt.

Ob nun Ben Miled in Tunesien, Aliko Dangote in Lagos oder Whitey Basson in Südafrika – auf der Bildfläche Afrikas tauchen Gesichter auf, die dort bis vor kurzem nicht vorstellbar waren. Ob sie es schaffen, die Spirale aus Bürgerkriegen, Korruption und Abhängigkeit von ausländischen Hilfen zu brechen, ist noch immer unklar. Wer sie aber trifft, wer sich von ihrer Begeisterung und ihrer Tatkraft überzeugt, der ahnt: Bessere Hoffnungsträger hatte Afrika bisher selten.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/eine-reise-durch-den-kontinent-rohstoffboom-reisst-afrika-aus-der-hoffnungslosigkeit-seite-all/7516104-all.html

 


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: