Startseite » Marsch der Freunde gegen die Austragung von Konflikten mit Gewalt und Krieg und für Lösungen durch Verhandlungen und für Abrüstung » WASSILI ARCHIPOW rettete die Welt, und niemand weiß es – Wir können der Politik nicht vertrauen, dass sie uns einen Atomkrieg erspart – Vor 50 Jahren 1961 war es nicht die Politik, sondern ein russischer Soldat, der den Befehll zur Auslösung des Atomkrieges nicht befolgte! Zum Hintergrund der Kubakrise: Kennedy fügte weiters hinzu, daß der plötzliche und heimliche Beschluß der Sowjetunion, erstmals außerhalb der UdSSR strategische Waffen zu stationieren eine „vorsätzliche, provokatorische und ungerechtfertigte Änderung im Status quo“ bedeute. Er forderte darüberhinaus „die sofortige Demontage und Entfernung aller Angriffswaffen auf Kuba unter Überwachung durch eine UNO-Beobachtergruppe“. Unerwähnt blieb jedoch, daß die USA bereits Raketen in Italien und der Türkei stationiert hatten, also in direkter Nachbarschaft zur UdSSR.

WASSILI ARCHIPOW rettete die Welt, und niemand weiß es – Wir können der Politik nicht vertrauen, dass sie uns einen Atomkrieg erspart – Vor 50 Jahren 1961 war es nicht die Politik, sondern ein russischer Soldat, der den Befehll zur Auslösung des Atomkrieges nicht befolgte! Zum Hintergrund der Kubakrise: Kennedy fügte weiters hinzu, daß der plötzliche und heimliche Beschluß der Sowjetunion, erstmals außerhalb der UdSSR strategische Waffen zu stationieren eine „vorsätzliche, provokatorische und ungerechtfertigte Änderung im Status quo“ bedeute. Er forderte darüberhinaus „die sofortige Demontage und Entfernung aller Angriffswaffen auf Kuba unter Überwachung durch eine UNO-Beobachtergruppe“. Unerwähnt blieb jedoch, daß die USA bereits Raketen in Italien und der Türkei stationiert hatten, also in direkter Nachbarschaft zur UdSSR.

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Datei:Soviet b-59 submarine.jpghttp://www.bild.de/news/inland/kalter-krieg/ders-mann-der-die-welt-rettete-25577958.bild.htmlhttp://www.bild.de/news/inland/kalter-krieg/ders-mann-der-die-welt-rettete-25577958.bild.html

Sind stolz auf den Helden, der die Erde vor dem Atomkrieg bewahrte: Archipows Witwe Olga (81) und Tochter Elena (59)

In der „Kuba-Krise“ vor 50 Jahren stand die Welt kurz vor dem Atomkrieg. Unter Wasser fiel in rund 300 Metern Tiefe an Bord von „B-59“ die Entscheidung, ob unsere Erde explodiert. Der Offizier (damals 36) weigerte sich, auf den roten Knopf für Nukleartorpedos zu drücken, brachte den Kommandanten trotz eines nervenaufreibenden Wasserbomben-Angriffs durch US-Zerstörer dazu, aufzutauchen. Archipow verhinderte die fatale Kettenreaktion.

Standard Vasili Arkhipov – der Mann, der den Dritten Weltkrieg verhindert hat

Wassili (Vasili) Alexandrowitsch Archipow, geboren am 30. Jänner 1926, verstorben 1999, hat während der Kubakrise im Oktober 1962 einen Dritten Weltkrieg verhindert.Archipow war während der Kubakrise auf dem sowjetischen, mit nuklearen Torpedos bestückten U-Boot B-59 der Foxtrot-Klasse stationiert. Am 27. Oktober 1962 wurde dieses U-Boot, ohne vorheriges aggressives Verhalten, von US-amerikanischen Zerstörern eingekesselt und mit Übungs-Wasserbomben attackiert, um ein Auftauchen zur Identifizierung zu erzwingen.Auf der einen Seite war den amerikanischen Streitkräften die nukleare Bewaffnung des U-Bootes nicht bekannt, auf der anderen Seite ging Walentin Sawizki, der Kapitän des U-Bootes, aufgrund des Beschusses davon aus, dass ein Krieg bereits begonnen haben könnte.Für den Abschuss der Waffen war an Bord des U-Bootes die Zustimmung dreier Offiziere notwendig. Dies waren Archipow, Sawizki und Politoffizier Iwan Maslennikow. Archipow lehnte anfangs als Einziger von ihnen den Einsatz der Nuklearwaffen an Bord ab, die im Falle eines Angriffes auf das U-Boot eingesetzt werden sollten, und konnte Sawizki schließlich überzeugen, das U-Boot auftauchen zu lassen, um auf weitere Befehle aus Moskau zu warten. In der Folge hat B-59 keine Nuklearwaffen abgefeuert.
(Quelle: nach Wikipedia)Leider gibt es nicht viel weitere Fakten und Hintergründe zur Person Archipow.
Ein wenig mehr Information ist auf der russischen Wikipedia-Seite zu Archipow zu finden: Архипов, Василий Александрович bzw auf Deutsch:Arkhipov, Wassili A.. Und ein schwer verständlicher Artikel auf Französich: Un nommé Arkhipov a sauvé le monde.

Ansonsten sind Informationen über Vasili Arkhipov spärlich.
Vielleicht weiß jemand noch etwas über Archipow?
http://www.sagen.at/forum/showthread.php?t=3116

WDR-Radiobeitrag: http://www.ardmediathek.de/wdr-2/stichtag?documentId=12128178

http://www.ardmediathek.de/wdr-2/stichtag?documentId=12128178

http://www.ardmediathek.de/wdr-5/zeitzeichen-im-wdr?documentId=12127108

Hintergrund der Kubakrise, die fast zum Atomkrieg geführt hätte:

WDR-dok: Am Abgrund – Anatomie der Kuba-Krise

Film von Werner Biermann

4 zu 3 Format Untertitel für Gehörgeschädigte

WDR Fernsehen

Freitag, 12.10.12 | 23:15 – 00:40 (85 Min.)

Kultur

Dieser Sendetermin liegt in der Vergangenheit

Inhalt der Sendung

Zu keinem Zeitpunkt des Kalten Krieges war die Welt einer nuklearen Katastrophe näher als während der Kuba-Krise vor 50 Jahren im Oktober 1962. Die übliche Version des Geschehens: Aus heiterem Himmel stationieren die Sowjets auf Kuba Mittelstreckenraketen und überrumpeln damit die nichtsahnende US-Regierung, deren Verhandlungsgeschick den Dritten Weltkrieg schließlich verhindert.

Doch Historiker erzwangen ab 1987 die Freigabe von bis dahin geheimen Dokumenten aus Regierungs-, Geheimdienst- und Pentagonakten und förderten nach und nach eine völlig andere Version der Kuba-Krise zu Tage: Die Aufstellung sowjetischer Mittelstrecken-Raketen auf der Zuckerinsel war die Reaktion auf eine Kette politischer Provokationen seitens der USA, die sich die UdSSR nicht länger gefallen lassen wollte: Bereits 3 Jahre zuvor, 1959, hatten die Amerikaner atomare Jupiter-Raketen in der Türkei stationiert – inakzeptabel für die Sowjets: „In sechs Minuten konnten diese Raketen Kiew zerstören oder Charkow!“ so der damalige Assistent Nikita Chruschtschows, Fjodor Burlatsky. 1961, ein Jahr vor der Krise, startete die US-Regierung ein groß angelegtes Rüstungsprogramm, ausdrücklich tauglich für den Erstschlag. Eine Bedrohung für die Sowjetunion, deren angebliche Raketen-Überlegenheit für den Wahlkampf des US-Präsidenten J.F. Kennedy erfunden wurde.

Im gleichen Jahr scheiterte die mit Exilkubanern ausgeführte US-Invasion Kubas in der Schweinebucht – „Ein absolutes Debakel, eine der größten Dummheiten, die wir je begehen konnten“, musste der damalige US-Verteidigungsminister Robert McNamara später zugeben. 1962 werden Pläne ausgearbeitet, nach denen im Oktober 1962 eine weitere US-Invasion der Revolution in Kuba ein Ende bereiten sollte. Die Kubaner wissen davon: „Wir rechneten fest mit einer neuen Aggression gegen Kuba und hatten deshalb einen Vertrag über Waffenlieferungen mit der Sowjetunion geschlossen,“ erzählt Jorge Risquet, ein Kampfgefährte Fidel Castros, der zunächst um ein gutes Verhältnis zu den USA bemüht war, von dieser aber entschieden zurückgewiesen wurde. Die Stationierung der sowjetischen Raketen war auch eine Reaktion auf die ständige Bedrohung Kubas durch die USA. Was die Kubaner allerdings nicht wollten und was in den USA lange unbekannt war: Bei den im Spätsommer 1962 auf Kuba stationierten sowjetischen Raketen handelte es sich nicht nur um konventionelle, sondern auch um atomare Waffen: „Chruschtschow wusste mehr als wir“, musste McNamara später zugeben. „Er wusste, dass es nukleare Sprengköpfe gab.“ „Es war für die Amerikaner eine psychologische Krise“, urteilt der Sohn Nikita Chruschtschows Sergej in dieser Dokumentation. „Sie mussten akzeptieren, dass sie nun wie andere auch verwundbar waren.“

„Am Abgrund“ – eine Dokumentation, die Vorgeschichte und Ablauf der Kuba-Krise exakt nachzeichnet und dabei erstmals nicht vorwiegend die US-Sicht, sondern auch die sowjetische und kubanische Perspektive offen legt. Eine packende Dokumentation, in der hochrangige Zeitzeugen – amerikanische, russische und kubanische Beteiligte – ihre jeweilige Version des Geschehens erzählen. WDR-Autor Werner Biermann entschlüsselt so Stück für Stück die unglaublichen und doch tatsächlichen Hintergründe der Kuba-Krise, die die Menschheit an den Rand des Abgrunds führte. „Man kann nicht behaupten, dass wir den Atomkrieg wegen geschickter Führung abwenden konnten“, muss McNamara zugeben. „Es war nichts anderes als unverschämtes Glück. Denn die Entscheidungen beider Seiten waren beeinflusst von Fehlinformationen und falschen Einschätzungen.“

http://programm.ard.de/TV/wdrfernsehen/wdr-dok–am-abgrund—anatomie-der-kuba-krise/eid_281118744980476

Inhaltsverzeichnis:


1. Einleitung:

2. Rückblick auf die Entwicklung Kubas von der Revolution 1959 bis zur Krise:

3. Stürmische Zeiten für die Insel:

4. Verlauf der Kuba-Krise:

5. Die Absichten der Supermächte:

5.1 Die Intentionen der UdSSR:

5.2 Die Intentionen der USA:

Einschub: Verbindung mit Berlin

5.3 Weitere Absichten der Amerikaner:


6. Schlußbemerkung:

Literatur


„Krisenmanagement, wenn auch übersichtlich angewendet,
ist eine armselige Alternative zur Krisenverhütung.“

1. Einleitung:


    Diese Aussage von Irving L. Horowitz kann auch als Maßstab für die Kuba-Krise gelten. Im Verlaufe dieser Arbeit soll gezeigt werden, welche Überlegungen seitens der Supermächte zu einem Konflikt führten und wie dieser verhindert werden konnte. Es wird dabei auch offenkundig, was die oben zitierte Aussage meint, da eben in dieser Auseinandersetzung das Krisenmanagement einen offenen Konflikt gerade noch vermeiden konnte, dieses Mittel der Kontrolle allerdings erst einsetzen kann, wenn eine Krise bereits begonnen hat.
Darüberhinaus soll versucht werden, jegliche Schuldzuweisung zu vermeiden. Es soll lediglich ein Überblick über den Ablauf der Kuba-Krise gegeben werden mit allen diplomatischen Feinheiten und Möglichkeiten, die den Staatsführern der beiden Supermächte zur Verfügung standen. Dem Leser soll jedoch vorbehalten sein zu beurteilen, ob dies tatsächlich die „gefährlichste Krise seit dem II. Weltkrieg“ war. Auch der ehemalige Verteidigungsminister der USA, Robert S. MacNamara, ist nach wie vor der Meinung, daß die „Welt nah am Abgrund einer atomaren Katastrophe stand“.
Im Anschluß an diese fachwissenschaftliche Arbeit steht ein fachdidaktischer Teil, in welchem grundsätzliche Einsatzmöglichkeiten dieses Themas im Unterricht erörtert werden. Darüberhinaus werden zwei Unterrichtseinheiten konkret geplant, in denen die Kuba-Krise als Vorlage für ein Rollenspiel dienen soll, um die Komplexität diplomatischer Beziehungen und Verhandlungen zu veranschaulichen und den Schülern einen Einblick in die Abläufe eines Krisenmanagements zu ermöglichen.


2. Rückblick auf die Entwicklung Kubas von der Revolution 1959
bis zur Krise
:

Am 2. 12. 1956 landeten am Strand von Las Colorades auf Kuba 82 Revolutionäre unter der Führung Fidel Castros und begannen in den Bergen der Sierra Maestra einen Guerillakrieg, der 1959 mit dem Marsch auf Havanna zum Sieg der Revolutionäre über die Regierung Batista führte.
Die USA verhielten sich während der Revolution so, als ob sie den unaufhaltsamen Umbruch nicht erkennen könnten. Das State Department unterstützte Batista bei der Niederschlagung von Streiks. Den Amerikanern war ein kontrollierbarer Mann an der Spitze lieber als ein junger, undurchschaubarer Jurist, der bereits im Exil ein Programm entwickelte, welches Punkte wie z. B. die Aufteilung der großen Zucker- und Tabakplantagen beinhaltete, die teilweise in amerikanischem Besitz waren. Darüberhinaus lebten auf Kuba mehr als 10.000 US-Bürger. Die Mafia hatte sich auf Kuba ein Glücksspielmonopol aufgebaut und war nicht gewillt, diese profitablen Einnahmen im Zuge einer eventuellen Enteignung amerikanischen Besitzes zu verlieren.
Nach der geglückten Revolution sollte sich bald zeigen, daß die neue Regierung nicht frei von kommunistischen Einflüssen war, wie das US-State Department eigentlich angenommen hatte. Wann und warum sich Castro zum Marxismus und Leninismus bekannte, sei hier nicht behandelt. Anfangs bemühte sich Castro jedoch noch um eine Verbesserung der Beziehungen zu den USA. Eine kubanische Delegation versuchte 1959, amerikanische Kredite zur Sanierung der schlechten Wirtschaftslage zu erhalten, jedoch scheiterten alle Bemühungen.
Kuba verlangte schließlich, daß russisches Rohöl u. a. von amerikanischen und britischen Raffinerien bearbeitet werden sollte. Beide Länder weigerten sich, worauf diese Anlagen von der Regierung Castro in Besitz genommen wurde. Vorher waren bereits Plantagenbesitzer enteignet worden, um die längst fällige Agrarreform durchführen zu können. Auch hier waren zahlreiche US-Bürger direkt betroffen. Der Weg zu einer Annäherung an die UdSSR war somit offen.
Nachdem die Raffinerien in kubanischen Besitz übergegangen waren, verweigerten die USA als Hauptabnehmer den Import von Zucker; Kuba enteignete daraufhin jeglichen US-Besitz (was die Mafia besonders hart traf) und die Amerikaner verhängten einen Handelsboykott über die Insel. Die USA versuchten so, Kuba von den anderen Industrienationen und vom übrigen Lateinamerika zu isolieren. Durch die Annäherung zwischen Havanna und Moskau sahen sich die Amerikaner in ihrer Befürchtung bestärkt, daß die kubanische Revolution und ihre Folgen ein Modell für ähnliche Prozesse in ganz Lateinamerika abgeben könnte.
Das Handelsembargo der USA hatte weitreichende Folgen für den Inselstaat: Seit Oktober 1960 hatte die US-Regierung alle Exporte nach Kuba, seit Februar 1962 alle Importe kubanischer Waren in die USA verboten. Von diesen Embargogesetzen waren mittelbar auch amerikanische Tochtergesellschaften im Ausland betroffen. Darüberhinaus brachten die Aus- und Einfuhrbestimmungen der USA Unternehmen in Schwierigkeiten, die mit Kuba im Handelsverkehr standen und anschließend mit den USA Handel treiben wollten. Dazu kamen noch eine Reihe von Sondergesetzen mit direktem Hinweis auf Kuba. Hierzu zählte u. a. der „Foreign Assistence Act“ (1961), der Bestimmungen enthält, wonach Länder, die ihren Schiffen den Warenverkehr mit Kuba nicht verbieten, keine amerikanische Auslandshilfe erhalten können.
Angesichts dieser Tatsachen ist es nicht verwunderlich, daß Kuba immer mehr in eine enge Bindung mit der UdSSR gedrängt wurde. Auch das Angebot Chruschtschows bei seinem Aufenthalt in Havanna 1960 war zu verlockend, um abgeschlagen werden zu können: 900.000 Tonnen sowjetisches Rohöl sollten nach Kuba fließen, während sich die Sowjetregierung verpflichtete, in den folgenden fünf Jahren jeweils eine Million Tonnen Kuba-Zucker zu kaufen. Gleichzeitig gewährte die Sowjet-Union einen Kredit von 100 Millionen US-Dollar. Damit war der erste Schritt aus der Abhängigkeit vom amerikanischen Markt gegeben, jedoch um den Preis eines Wirtschaftskrieges mit den USA.

3. Stürmische Zeiten für die Insel:
Wie bereits oben erwähnt, konnte sich die USA nicht mit einem kommunistischen Staat vor der eigenen Haustür abfinden und befürchtete darüberhinaus auch Auswirkungen auf Lateinamerika, das spätestens seit den Monroe-Doktrin zum US-amerikanischen Einflußgebiet zählte. Da Kuba nun jedoch wirtschaftlich nicht mehr vom US-Markt abhängig war, ging die amerikanische Regierung dazu über, den Inselstaat zu sabotieren und einzuschüchtern.
Man begann die „Operation Mongoose“, wobei zahlreiche exilkubanische Gruppen kubanische Einrichtungen (z. B. Öltanks, Niederbrennen von Zuckerrohrfeldern) sabotierten. Daß diese Gruppen von amerikanischen Militärs instruiert und ausgebildet wurden, war ein offenes Geheimnis. Unter Führung des CIA wurde darüberhinaus des öfteren versucht, Fidel Castro zu ermorden. Ziel war es, Unruhe auf Kuba auszulösen. Der Leiter dieser Operation, Brigadier General Edward Lansdale setzte eine mögliche Revolte des kubanischen Volkes für Oktober 1962 fest und forderte für diesen Fall eine komplette und wirkungsvolle US-militärische Unterstützung. Hinzu kamen noch US-Militärmanöver, die Kubas Furcht vor einer Invasion vergrößerten. Im April 1960 fand ein Manöver statt, bei dem 40.000 US-Soldaten eine amphibische Landung auf einer kleinen Insel in der Nähe von Puerto Rico übten.
Den Höhepunkt dieser Entwicklung stellte die gescheiterte Invasion in der Schweinebucht dar. 1500 von US-Militärs ausgebildete und ausgerüstete und von der CIA instruierte Exilkubaner landeten am 17. April 1961 in der Schweinebucht, mit der Zusicherung der Eisenhower-Regierung und einer wenn auch inoffiziellen Bestätigung Kennedys im Rücken, daß eine Luftunterstützung durch amerikanische Bomber gewährleistet sei. Die Invasionsarmee konnte jedoch nicht mit einem derartig massiven Widerstand rechnen, und es sollte sich zeigen, daß auch bereits russische Waffen samt den dazugehörigen Instrukteuren nach Kuba gesandt worden waren, die nun zum Einsatz kamen. Präsident Kennedy entschied sich gegen einen Einsatz der US-Armee, weil er die Sowjets nicht zu Gegenmaßnahmen in anderen Teilen der Welt, etwa gegen Westberlin, provozieren wollte.
Nun wurde der Druck auf Kennedy jedoch immer größer. Nicht nur zahlreiche Republikaner, sondern auch prominente Mitglieder der demokratischen Regierungspartei plädierten für militärische Maßnahmen gegen Kuba, bevor der militärische Einsatz zu umfangreich würde (was er nach Meinung gemäßigter Senatoren angesichts des Schweinebuchtdebakels ohnehin schon war).
Im Sommer 1962 bildete auch tatsächlich die US-Armee spanisch-sprechende Einheiten. Kuba und die UdSSR beschließen daraufhin Verteidigungsmaßnahmen, welche auch die Stationierung von russischen Mittelstreckenraketen beinhalten sollten. Auch hier kann man annehmen, daß ohne US-unterstützte Aktionen, wie z. B. die „Operatio Mongoose“ oder auch die zuletzt genannten, keine derartigen Aktivitäten von seiten der Sowjets gesetzt worden wären. Wie auch noch an späterer Stelle gezeigt werden wird, begründete der Kreml seinen Schritt mit der Absicht, die Insel vor weiteren Invasionsversuchen, entweder direkt durch die USA oder durch Hilfstruppen, zu schützen.


4. Verlauf der Kuba-Krise:


Kennedy wich vorerst noch allen Reporter-Fragen bezüglich der Stationierung von Raketen und sowjetischem Militär aus: „Uns liegen keine Informationen darüber vor, daß Truppen nach Kuba gekommen sind. Ich bin nicht dafür, Kuba zu diesem Zeitpunkt anzugreifen“. Die sowjetische Regierung teilte am 11. September in einer öffentlichen Erklärung mit, daß sie nicht die Absicht habe, „Waffen für einen Vergeltungsschlag in irgendein anderes Land – z. B. Kuba – zu verlegen“.
Bereits am 12. Oktober trafen allerdings Geheimdienstnachrichten im Pentagon ein, welche die Ankunft von zehn sowjetischen Düsenbombern des Typs Il-28 meldeten und die Möglichkeit der Stationierung sowjetischer Raketen auf Kuba nicht ausschlossen. Daraufhin ließ der Präsident die Streitkräfte Amerikas für eine Aktion vorbereiten. Ein Zufall erleichterte dabei dem Pentagon, den militärischen Aufmarsch zu tarnen. Flotteneinheiten und Marineinfanteristen waren bereits zu dem seit langem geplanten Manöver „Philbriglex 62“ aufmarschiert, dem die Aufgabe gestellt war, die imaginäre „Republik Vieques“ von dem ebenso imaginären roten Tyrannen Ortsac zu befreien, dessen Name sich rückwärts buchstabiert Castro liest.
Am 15. Oktober lieferten U-2-Aufklärungsflugzeuge den Beweis dafür, daß sowjetische Techniker und Soldaten im Begriff waren, auf Kuba, 150km vor der Küste Nordamerikas, Abschußrampen für Mittelstreckenraketen zu errichten.
Zwei Tage nach der Vorlage dieser Ergebnisse empfing der US-Präsident den sowjetischen Außenminister Gromyko. Dieser erklärte, nach Angaben Kennedys, „er sei beauftragt, erneut im Namen seiner Regierung klarzustellen, daß die sowjetische Hilfe für Kuba allein den Zweck verfolge, zu den Verteidigungsmöglichkeiten Kubas beizutragen. Er versichere, daß die von sowjetischen Spezialisten vorgenommene Ausbildung kubanischer Staatsangehöriger für die Bedienung von Abwehrwaffen auf keinen Fall offensiven Charakter habe und daß, wenn es anders wäre, die Sowjet-Union sich niemals zu solchen Hilfeleistungen bereit finden würde“.
Am Tag nach dieser Erklärung entschloß sich Kennedy endgültig zum Handeln. Er berief seine Berater ein und ließ die führenden Politiker des amerikanischen Kongresses in die Hauptstadt beordern. Am 20. Oktober ordnete Verteidigungsminister McNamara umfangreiche Truppenbewegungen im Süden der USA an. Sämtliche US-Streitkräfte in allen Teilen der Welt wurden alarmiert. Zugleich erklärte das Verteidigungsministerium, daß diese Maßnahmen lediglich Teil des Manövers „Phibriglex“ seien.
Am 22. Oktober trat die amerikanische Seeblockade über Kuba in Kraft. Ein Plan, der die Stimme der „Hardliner“ im Kongreß, welche eine Invasion der Insel forderten, zunächst nicht laut werden ließ. Diese Blockade wurde als „Quarantäne“ bezeichnet, um in der Namensgebung nicht mit der Berlin-Blockade der Russen vergliche zu werden.
Die Seeblockade gilt seit Jahrhunderten als ein legitimes Mittel der Seekriegsführung. Nach der Pariser Seerechts-Deklaration von 1856 ist sie lediglich an zwei Voraussetzungen gebunden: Sie muß durch die kriegführende Regierung proklamiert und den neutralen Mächten auf diplomatischem Wege mitgeteilt werden, sowie durch ein ausreichendes Flottenaufgebot vor der feindlichen Küste erzwungen werden. Nach der Londoner Deklaration vom Jahre 1909, die nie von den vertragschließenden Parteien ratifiziert wurde, aber dennoch internationales Gewohnheitsrecht geworden ist, darf die blockierende Macht alle im Sperrgebiet fahrenden Schiffe auf Konterbande durchsuchen oder bei Widerstand sogar versenken. Die spezielle Form der Quarantäne wurde mit dem Hinweis juristisch abgesichert, daß sie „eine neue Form von Vergeltungsmaßnahme, ein Akt der nationalen und kollektiven Selbstverteidigung gegen eine Aggressionshandlung entsprechend der UN- und der OAS-Charta und entsprechend dem Vertrag von Rio von 1947“ sei.
Am Abend des 22. Oktober verkündete der US-Präsident vor aller Welt, was Amerikas Alliierte kurz zuvor erfahren hatten: „Um der offensiven Aufrüstung Einhalt zu gebieten, wird eine strikte Quarantäne für alle militärischen Angriffsausrüstungen, die auf dem Seeweg nach Kuba gebracht werden, eingeführt. Alle für Kuba bestimmten Schiffe, gleichgültig welcher Nationalität … werden zurückgeschickt, falls festgestellt wird, daß sie Offensivwaffen an Bord haben. Diese Sperre wird, falls erforderlich, auch auf andere Frachten und Transportmittel ausgedehnt werden. Dagegen unterbinden wir den Transport lebensnotwendiger Dinge nicht, wie dies die Sowjets 1948 in ihrer Berlin-Blockade versuchten“.
Damit distanziert sich der Präsident, auch in der Namensgebung, deutlich von der Berlin-Blockade. Auch daß die Alliierten erst derart kurzfristig informiert wurden, hatte seinen guten Grund. Sie sollten angesichts der kurzen Zeit, die ihnen zur Verfügung gestellt wurde, nur mehr die Möglichkeit haben, jeglichen Maßnahmen der USA bedingungslos zuzustimmen.
Kennedy fügte weiters hinzu, daß der plötzliche und heimliche Beschluß der Sowjetunion, erstmals außerhalb der UdSSR strategische Waffen zu stationieren eine „vorsätzliche, provokatorische und ungerechtfertigte Änderung im Status quo“ bedeute. Er forderte darüberhinaus „die sofortige Demontage und Entfernung aller Angriffswaffen auf Kuba unter Überwachung durch eine UNO-Beobachtergruppe“. Unerwähnt blieb jedoch, daß die USA bereits Raketen in Italien und der Türkei stationiert hatten, also in direkter Nachbarschaft zur UdSSR.
Mit ihrer Aktion glaubte die US-Regierung einem Manöver Chruschtschows zuvorzukommen. Der rasche Ausbau Kubas zur Raketenbasis sollte die USA – so deutete die „New York Times“ die Überlegungen im Weißen Haus – provozieren, einschüchtern und schließlich demütigen. Dies alles in der Hoffnung, daß die entstehende Verwirrung sowie Meinungsverschiedenheiten zwischen den westlichen Alliierten den Widerstand gegen den sowjetischen Druck auf Berlin verringern würden.
Am 23. Oktober wurde die Quarantäne-Maßnahme von Chruschtschow als „Piraterie“ bezeichnet. Er räumte jedoch ein, daß es Sowjetraketen auf Kuba gäbe, doch sie ständen unter der Kontrolle sowjetischer Offiziere, sodaß ein zufälliger Gebrauch dieser Waffen zum Schaden der USA ausgeschlossen sei. Dies war nicht nur ein Eingeständnis, sondern zugleich eine Warnung. Denn nun war klar, daß ein amerikanischer Angiff auf Kuba auch das Leben sowjetischer Soldaten gefordert hätte und vielleicht zu Gegenmaßnahmen in anderen Teilen der Welt hätte führen können.
Zur gleichen Zeit war bereits ein russischer Konvoi auf dem Weg nach Kuba. Zwei dieser Schiffe konnten nach einer Überprüfung die Sperre passieren, die übrigen stoppten am 24. Oktober ihre Fahrt, drehten an den beiden folgenden Tagen ab und kehrten in ihre sowjetischen Häfen zurück. Die CIA berichtete jedoch, daß an der Installierung der bereits auf Kuba befindlichen Raketen weitergearbeitet werde und diese wahrscheinlich bis zum 28. Oktober einsatzbereit sein würden.
Am 26. Oktober starteten erste Annäherungsversuche von seiten der russischen Botschaft. Der Berater des sowjetischen Botschafters in Washington, Aleksandr Fomin, traf sich mit ABC-News Korrespondent John Scali und schlug einen möglichen Deal vor: Die Sowjets würden ihre Raketen von Kuba unter UN-Aufsicht abziehen, wenn die Amerikaner im Gegenzug öffentlich erklärten, keine Invasionspläne mehr vorzubereiten.
Einige Stunden später traf eine Nachricht von Chruschtschow an Kennedy ein, die den selben Vorschlag enthielt, jedoch vager forrmuliert war. Sie enthielt nichts bezüglich einer UNO-Beaufsichtigung der Demontage der Basen. Hoffnungen auf ein positives Verhandlungsergebnis schienen berechtigt.
Am 27. Oktober wurden jedoch diese Hoffnungen zerstört. Ein zweites Schreiben Chruschtschows brachte die Demontage der US-Mittelstreckenraketen in der Türkei zur Sprache. Diese sollten im Tausch gegen eine Entfernung der sowjetischen Raketen auf Kuba abgebaut werden. Die zweite schlechte Nachricht an diesem Tag für die USA betraf den Abschuß einer U-2 über Kuba. Es war schließlich Bobby Kennedys Vorschlag, das erste Schreiben Chruschtschows einfach als Vorschlag für einen annehmbaren Kompromiß aufzufassen und alle anderen Forderungen zu ignorieren. Dennoch wurden für den 30. Oktober Vorbereitungen für einen eventuellen Luftschlag gegen die Basen und eine Invasion getroffen. Am 28. Oktober traf jedoch die positive Nachricht des russischen Premiers ein, daß die Vorschläge akzeptiert würden.
Die Staatsführer sowohl der UdSSR als auch der USA sparten nach dem glücklichen Ausgang auch nicht mit gegenseitigem Lob. So erklärte Chruschtschow gegenüber Kennedy: „Ich bewundere Ihren Sinn für das rechte Maß, das von Ihnen gezeigte Verständnis für die Verantwortung, die Sie gegenwärtig für die Erhaltung des Friedens in aller Welt gezeigt haben“. Auch Kennedy hatte viel Lob für den russischen Premier übrig: „Ich bewundere die staatsmännische Entscheidung des Vorsitzenden Chruschtschow, den Ausbau der Basen auf Kuba einzustellen, die Offensiv-Waffen zu demontieren und sie unter Kontrolle der Vereinten Nationen in die Sowjet-Union zurückzutransportieren. Dies ist ein wichtiger Beitrag zum Frieden“.
Auch wenn Castro keine Kontrolle des Abbaus durch UN-Beobachter zuließ und Kennedy nie eine öffentliche Zusicherung abgab, Kuba nicht mehr mit Invasionsplänen bedrohen zu wollen, war die Krise doch gebannt und die Basen wurden auch tatsächlich abgebaut.

5. Die Absichten der Supermächte:


Vorrausschickend muß erwähnt werden, daß die Entscheidungen, die jeder der drei beteiligten Staaten vor und während der Krise traf, auf z. T. falschen Informationen, Fehlurteilen und unzutreffenden Berechnungen beruhten, wie später noch der ehemalige Verteidigungsminister MacNamara zugab und wie sich auf einer Konferenz in Moskau 1989 (sowjetische, kubanische und amerikanische Teilnehmer diskutierten üder die Ursachen der Kubakrise und über Wege, wie solche Konflikte künftig vermieden werden können) zeigte.


5.1 Die Intentionen der UdSSR:

Es gab drei logische Gründe für eine Stationierung der Raketen auf Kuba aus russischer Sicht:

-Kuba vor einem amerikanischen Angriff zu schützen, welcher sich durchaus aufgrund der Aktivitäten amerikanischer Truppen und der Stimmungsmache gegen den Inselstaat im Kongreß abzeichnete. Zumindest sollte eine Zusicherung der USA herausgeschlagen werde, Kuba nicht mehr angreifen zu wollen.

-Ein Druckmittel für einen Abbau amerikanischer Raketen in der Türkei und eventuell in Italien in der Hand zu haben.

-Die Raketen hätten als Joker für den Verhandlungspoker um Berlin eingesetzt werden können.

Erklärtes Ziel und offizielle Linie der Sowjetunion für die Stationierung der Raketen war der Schutz Kubas vor einer eventuellen Invasion der Insel. Welche Zeichen eigentlich für eine derartige Aktion der USA sprachen, wurde bereits oben behandelt. Es ist jedoch auch wahrscheinlich, daß viele russische Politiker glaubten, mit dieser Aktion die geostrategische Position der UdSSR gegenüber den dominanten USA zu verbessern. Es kann jedoch nicht angenommen werden, daß die Russen tatsächlich glaubten, die Vereinigten Staaten würden nicht reagieren, falls die Stationierung aufgedeckt würde.
Nach Aussage von MacNamara hatten die USA keine Invasionspläne. Es ist jedoch fraglich, ob die Russen, wie von MacNamara vermutet, tatsächlich glaubten, die Atomwaffen heimlich und unentdeckt nach Kuba bringen zu können, wußten sie doch, daß die Vorgänge auf dem Inselstaat das Interesse des US-Geiheimdienstes weckte (auch hinsichtlich eventueller Aktionen gegen Kuba).
Als nun die Stationierung der Raketen aufflog und die USA mit der Quarantäne antworteten, reagierte die sowjetische Botschaft in Washington mit dem bereits erwähnten Vorschlag, die Basen auf Kuba abzubauen als Tausch für eine offizielle Zusicherung der USA, keine Aktionen mehr gegen Kuba starten zu wollen. Allgemein wurde vermutet, daß Aleksandr Fomin dabei das Terrain für Chruschtschow testete. Dies war jedoch ein Irrtum. Fomin ging dabei nur einer eigenen Idee nach, jedoch mit Wissen des russischen Botschafters Dobrynin. Die Ergebnisse von Fomins Deal waren nicht die Basis für das erste Schreiben des russischen Premiers. Dies wird auch dadurch bestätigt, daß dieses nichts über eine UNO-Kontrolle des Raketen-Abbaus aussagte. Das alles kann auch als Zeichen dafür gelten, daß die UdSSR tatsächlich ursprünglich nur den Schutz Kubas im Sinn hatte.
Das Schreiben enthielt aber auch deshalb ein günstiges Angebot, da der sowjetische Geheimdienst über Vorbereitungen für eine Invasion Kubas berichtete und deshalb rasch verfaßt werden mußte. Erst nach russischen Geheimdienstnachrichten, nach denen diese Invasion nicht vor dem 30. Oktober stattfinden würde, verfaßte Chruschtschow das zweite Schreiben, welcher sich auf die US-Raketen in der Türkei bezog. Nach eigenen Aussagen blieb jedoch nach wie vor eine Nichtangriffszusage der USA an Kuba der Hauptpunkt der sowjetischen Forderungen.
Der Abschuß der U-2-Aufklärungsmaschine kam für Chruschtschow überraschend und war wahrscheinlich eine Entscheidung der lokalen, auf Kuba stationierten russischen Militärs. Der sowjetische Premier fürchtete, daß derartige unbedachte Aktionen auf beiden Seiten zu einer Eskalation des Konflikts führen könnten. Darüberhinaus gab es nun unbestreitbare Vorzeichen für eine tatsächliche Invasion, sodaß schließlich Chruschtschow dem Vorschlag Kennedys, der sich auf das erste Schreiben des russischen Premiers stützte, zustimmte.
Daß die UdSSR diese Krise in keiner Phase konkret in Zusammenhang mit Berlin brachte, zeigt die Geschichte. Mag es auch Überlegungen in diese Richtung gegeben haben, so wurden sie nie ausgeführt.


5.2 Die Intentionen der USA:

Speziell für Präsident Kennedy galt es nun, nachdem Beweise für den Bau von Abschußbasen vorlagen, den Kurs zu bestimmen, mit dem man auf diese „Provokation“ antworten konnte. Kennedy stand dabei unter gewissem Druck, galt er doch seit dem Debakel in der Schweinebucht als Zauderer. Er wurde beinahe täglich in Zeitungsartikel und Senatorenreden mit diesem Image konfrontiert.
Die Berater des Präsidenten sowie der Kongreß spalteten sich während der Krise in zwei Lager: die „Hardliner“, die sich für einen militärischen Einsatz gegen Kuba stark machten und die Gemäßigten, welche eher den diplomatischen Verhandlungsweg bevorzugten.
Der amerikanische Präsident wurde daher mit drei Möglichkeiten konfrontiert, auf die Umwandlung Kubas in einen sowjetischen Militärstützpunkt zu reagieren:

-sofort eine militärische Operation gegen die Insel zu befehlen, zu der ihn seine Kritiker seit langem drängten;

-eine Seeblockade über Kuba zu verhängen, um zu verhindern, daß die Sowjets ihr militärisches Potential in der karibischen See in raschem Tempo verstärken, oder

-bei einer Definition zu bleiben, wonach es sich bei dem nach Kuba gebrachten Kriegsmaterial lediglich um Defensivwaffen (wie von den Sowjets stets beteuert) handle und somit kein amerikanisches Eingreifen erforderlich sei.

Letzteres kam schon allein aufgrund des öffentlichen Drucks nicht in Frage. Darüberhinaus rechneten die USA mit einem Zwei-Fronten-Konflikt Kuba-Berlin, wodurch man alle Für und Wider genau abwägen mußte.


Einschub: Verbindung mit Berlin:

Bereits am 7. September kam bei einem Besuch De Gaulles in Berlin die Kuba-Situation zur Sprache. Es lagen bereits Beweise vor, daß die Sowjet-Union Luftabwehrwaffen und Panzer nach Kuba geschickt hatten. Die Amerikaner deuteten dies als Zeichen dafür, daß die Sowjets eine ernste Krise in Berlin erwarteten und Kuba in eine günstige Postion bringen wollen, um US-Aktivitäten gegen die Insel abwehren zu können, welche die USA als Vergeltung für russische Initiativen in Berlin vorgesehen haben könnten.
Am 22. Oktober traf sich die „Military Sub-Group of the Washington Ambassadorial Group“, bestehend aus Vertretern Großbritanniens, Frankreichs, der Bundesrepublik Deutschland und der USA. Lord Hood (Großbritannien) gab dabei zu bedenken, daß die Sowjets versprochen hatten, vor den US-Wahlen nichts in Berlin zu unternehmen, „unless the U.S. acts“. Hood war der Meinung, daß die Quarantäne dieses „unless“ sei und daß die Sowjets nun doch in Berlin reagieren könnten.
Auch der Vorsitzende dieses Treffens, Mr. Nitze (USA), war der Auffassung, daß die Sowjets darauf drängen würden, die Westtruppen aus Berlin zu verdrängen. Er fügt noch hinzu, daß der russische Schritt auf Kuba ein sehr extremer sei und das Kräftegleichgewicht verändere. Nachdem die Blockade über Kuba verhängt war, prüfte die CIA, für wie lange West-Berlin unter einer totalen russischen Blockade mit lebensnotwendigen Gütern ausgestattet wäre und kam zu dem Schluß, daß Lebensmittel und die medizinische Versorgung für ein halbes Jahr gesichert seien. Auch nachdem die Sowjet-Union eingelenkt hatte, war man in Washington der Auffassung, daß die Russen hart gegen Berlin vorgehen würden, um ihre Niederlage auf Kuba zu kompensieren. All dies weist darauf hin, daß die USA mit Gegenmaßnahmen auf ihr Verhalten in der Kuba-Krise seitens der UdSSR in Berlin erwarteten. Sie bereiteten sich für einen „Showdown“ an zwei Fronten vor und rechneten sogar nach der Beendigung der Krise mit Vergeltungsmaßnahmen in Berlin.
5.3 Weitere Absichten der Amerikaner:

Dean Acheson kommentierte Kennedys Kuba-Kurs, mit dem die USA auch für künftige weltpolitische Konflikte ihre Stärke demonstrieren wollten, folgendermaßen: „Die Seeblockade schiebt der Sowjet-Union die Verantworung zu, einen nuklearen Weltkrieg zu entfesseln, weil die Sowjetregierung zunächst keine andere Möglichkeit hat, auf die militärischen Aktionen der USA zu reagieren“. Auch würde die Sowjet-Union „es nicht riskieren, mit einem Raketen-Frachter den Blockadering um Kuba zu durchbrechen, denn sie muß befürchten, daß ein solches Schiff in amerikanische Hände fällt, wobei den USA sowjetische Raketen-Geheimnisse zugänglich würden“.
Doch dieser Kurs war nicht die einzige Möglichkeit, wie man auf diesen Konflikt reagieren konnte. Das zeigte sich auch bei Beratungen nach dem zweiten Brief Chruschtschows. Dabei war man sich über einen Punkt einig: die sowjetischen Raketen mußten entfernt oder zerstört werden. Der 30. Oktober wurde als letztmöglicher Termin festgelegt, an dem die russischen Raketen und Flugabwehrwaffen mit einem Luftangriff vernichtet werden konnten. Auch eine anschließende Invasion wurde nicht mehr ausgeschlossen.
Die positive Antwort Chruschtschows, seinen ersten Brief betreffend, kam gleichsam als Rettung in letzter Minute. Wäre sie nicht eingetroffen, so hätten die USA ihr Vorhaben vielleicht durchgesetzt.
Bereits bei der Planung für einen Schlag gegen Kuba ging man von völlig falschen Voraussetzungen aus. Nach CIA-Angaben befanden sich zu jener Zeit lediglich 10.000 sowjetische Soldaten auf Kuba. In Wirklichkeit waren es 43.000 Mann. Hinzu kamen noch 270.000 Mann gut ausgerüsteter kubanischer Truppen, die entschlossen waren, „bis zum Tod zu kämpfen“. Die kubanischen Verantwortlichen rechneten dabei mit einem Verlust von bis zu 100.000 Soldaten. Während der Moskauer Konferenz 1989, wo Aspekte der Kuba-Krise mit allen beteiligten Staaten diskutiert wurden, äußerten sowjetische Konferenzteilnehmer großes Erstaunen darüber, daß die USA tatsächlich geglaubt haben, die Russen würden angesichts einer solch katastrophalen Bilanz nicht anderswo in der Welt militärisch antworten.
Bei einem ähnlichen Treffen in Havanna 1992 teilte darüberhinaus der ehemalige Stabschef des Warschauer Paktes, General Anatolij Gribkow, den amerikanischen Teilnehmern mit, daß die sowjetischen Streitkräfte auf Kuba nicht nur über Atomsprengköpfe für Mittelstreckenraketen verfügten, sondern auch über Atombomben und taktische Atomsprengköpfe. Dagegen berichtete die CIA damals, daß es keine Sprengköpfe, v. a. keine taktischen, auf der Insel gäbe. Angesichts dieser Tatsachen gibt MacNamara auch heute noch zu bedenken, daß die US-Invasionsstreitkräfte „zwar nicht mit taktischen Kernsprengköpfen ausgerüstet gewesen wären, … , doch niemand soll glauben, daß die Vereinigten Staaten bei einem atomaren Angriff auf ihre Truppen auf einen atomaren Gegenschlag verzichtet hätten“. Wie gut, daß eine positive Antwort Chruschtschows noch rechtzeitig eintraf.
Angesichts dieser Tatsachen könnte man annehmen, daß die USA zu allem entschlossen waren und vielleicht auch diesen letzten Schritt in Erwägung zogen. Dazu kam noch, daß auch ein Teil der amerikanischen Öffentlichkeit, geschockt durch die unmittelbare Bedrohung, strikte Maßnahmen gegen den Inselstaat forderte.
Gewisse Aktionen des Pentagon lassen jedoch auch den Schluß zu, daß man in diesem Konflikt nicht bis zum Äußersten gehen wollte. So ließ das Pentagon während der Krise die Zivilverteidigung prüfen. Dabei wurden nur 112.000 Gebäude für gut befunden, „um für 60 Millionen Menschen als potentielle Schutzräume gegen radioaktiven Staub zu dienen“. Für nur 700.000 US-Bürger sei demnach tatsächlicher, nicht nur potentieller Schutzraum vorhanden. Nur 200.000 konnten damit rechnen, nach einem Atomangriff aus strahlungssicheren Vorratslagern mit Lebensmittel verpflegt zu werden.
Angesichts dieser Ergebnisse forderte die amerikanische Öffentlichkeit sicherlich nicht mehr in dem Maße wie vor dieser Übung eine agressivere Politik Kuba gegenüber.
Es stellt sich daher die Frage, warum die US-Regierung in einer derart brisanten Situation die Zivilverteidigung prüfen ließ, wo sie doch ein derartiges Ergebnis erwarten durfte. Es kann dafür eigentlich nur zwei Gründe geben: mit dieser Übung tatsächlich die Zivilverteidigung zu prüfen und vielleicht auch der UdSSR zu signalisieren, daß man es ernst meinte; oder den Teil der Öffentlichkeit, der sich für ein härteres Durchgreifen gegen Kuba stark machte, etwas zu dämpfen.


6. Schlußbemerkung:


Die Kuba-Krise war, wie die meisten Krisen, ein überaus komplexer Vorgang, bei welchem zahlreiche diplomatische und verhandlungstechnische Variationen durchgespielt wurden. Der Konflikt war nicht zuletzt aufgrund der internationalen diplomatischen Verstrickungen beider Supermächte vielschichtig, wie der Einfluß der Berlin-Frage auf die Entscheidungen der USA zeigten. Es ist auch unzweifelhaft, daß die USA aus diesem Konflikt mit einem gewissen Trauma hervorging, war man doch erstmals direkt durch Atomwaffen bedroht. Eine Stationierung der Raketen auf Kuba hätte bedeutet, daß das amerikanische Raketenfrühwarnsystem ausgeschaltet worden wäre. Doch unzweifelhaft hatte diese Krise auch etwas Positives. Erstmals mit der Möglichkeit eines atomaren Krieges konfrontiert, erkannten die Supermächte, daß eine Kontrolle dieser Kräfte unabdingbar geworden war. Man begann Verhandlungen über Teststops und dergleichen zu beschleunigen.
Eine andere Frage ist die mögliche Bewertung dieser Krise. Kann man wirklich davon ausgehen, daß die Welt am Abgrund einer nuklearen Katastrophe stand, oder waren die gesetzten Aktionen nur ein Säbelrasseln, mit dem man auch die Grenzen austesten wollte. Diese Fragen können und sollen hier auch nicht beantwortet werden. Der Leser möge sich sein Urteil selbst bilden.

Zusammenfassung: Die Kuba-Krise


Entwicklung Kubas bis zur Krise:

Bis 1899 gehörte Kuba zu Spanien. Durch den Spanisch-Amerikanischen Krieg wurde es befreit, ging damit aber auch in die Einflußsphäre der USA über.
1959 stürzte Fidel Castro in einer Revolution das vormalige Staatsoberhaupt Fulgencio Batista Zaldivar.
Danach trafen kubanische Landreformen haupsächlich US-Eigner. 1960 weigerten sich britische und amerikanische Raffinerien, russisches Rohöl zu bearbeiten. Diese Anlagen gingen damit in kubanischen Besitz über.
Die USA versuchten durch ein Handelsembargo den Inselstaat wirtschaftlich zu schädigen. Dies führte zu einer Annäherung an die UdSSR.
Durch Operationen von Exilkubanern, vom CIA unterstützt, US-Militärmanöver und einen Invasionsversuch von Exilkubanern in der Schweinebucht 1961 stieg die Furcht in Kuba. Die UdSSR und Kuba beschließen Verteidigungsmaßnahmen, wobei auch atomare Mittelstreckenraketen auf der Insel stationiert werden sollen.

Verlauf der Kuba-Krise:

Am 16. Oktober steht für die Amerikaner fest, daß russische Raketen auf Kuba stationiert werden sollen. Dies war ein Trauma für die amerikanische Öffentlichkeit, war sie doch zum ersten Mal direkt von diesen Waffen bedroht. Die USA hatten andererseits seit längerem bereits Raketen in der Türkei stationiert, wodurch die UdSSR direkt bedroht war. Die USA glaubten, daß die UdSSR mit ihrer Aktion auf Kuba (als Druckmittel) eine gute Ausgangsbasis für einen Konflikt in Berlin erreichen wollten.
Am 22. Oktober verhängen die USA eine Seeblockade über Kuba. Der amerikanische Präsident Kennedy fordert die Demontage aller Angriffswaffen auf Kuba unter UNO-Aufsicht. Der russische Staatschef Chruschtschow bezeichnet dieses Vorgehen als einen Akt der Piraterie.
Am 26. Oktober trifft die erste Nachricht Chruschtschows in Washington ein. Er schlägt vor, die Raketenbasen auf Kuba abzubauen, wenn die USA öffentlich erklären, keine Invasion auf der Insel duchführen zu wollen.
Am 27. Oktober trifft die zweite Nachricht des russischen Premiers ein. Er will nun als Tauschobjekt die Demontage der amerikanischen Mittelstreckenraketen in der Türkei. Kennedy will nun auf den ersten Vorschlag Chruschtschows eingehen und den Rest ignorieren.
Am 28. Oktober geht der russische Premier auf dieses Angebot ein.
Während der Krise ließ das Pentagon die Zivilverteidigung prüfen. Ergebnis: für 700.000 US-Bürger wären Schutzräume vorhanden gewesen. 200.000 Bürger hätten aus strahlungssicheren Vorratslagern ernährt werden können. Hätte die UdSSR die Raketen auf Kuba stationiert, wäre das US-Raketenfrühwarnsystem ausgeschalten worden.


Literatur:


Augstein, Rudolf (Hrsg.): Der Spiegel. (1959) 3, S. 34-40; (1961) 18, S. 73-74; (1962) 37, S. 43-44; (1962) 44, S. 92-107; (1962) 45, S. 101-102; (1962) 47, S. 103-104; (1962) 51, S. 70-74;

Azicri, Max: Cuba. – London, New York: Pinter Publishers, 1988.

Draper, Theodor: Castro’s Revolution – Myths and Realities. – New York: Frederick A. Praeger, 1962.

Görtemaker, Manfred: Kuba-Krise. In:Richard Woyke (Hrsg.): Handwörterbuch Internationale Politik. – Opladen: Leske und Budrich, 1990.

Horowitz, Irving L. (Hrsg.): Cuban Communism. – New Brunswick, London: Transaction Publishers, 1989.

Institut für Iberoamerika-Kunde (Hrsg.): Kuba: Politik-Wirtschaft-Außenbeziehungen 1959-1975. – Hamburg: Aktueller Infomationsdienst Lateinamerika, 1975.

Foreign Relations of the United States 1958-1960. Bd. 6: Cuba. – Washington: United States Government Printing Office, 1991.

Foreign Relations of the United States 1961-1963. Bd. 7: Arms Control and Disarmament; Bd. 9: Foreign Economic Policy; Bd. 15: Berlin Crises 1962-1963. – Washington: United States Government Printing Office, 1994.

MacNamara, Robert S.: Vietnam: das Trauma einer Weltmacht. – Hamburg: Spiegel-Buchverlag, 1996.

Peterson, Thomas G.: Contesting Castro. – New York, Oxford: Oxford University Press, 1994.

http://www.aurora-magazin.at/wissenschaft/kimbacher_frm.htm

50 Jahre Kuba-KriseDiese Fotos führten fast zum Dritten Weltkrieg

http://einestages.spiegel.de/s/tb/25741/kuba-krise-aufklaerungsbilder-schockieren-die-welt.html


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